Von David, als er sich vor Abimelech verstellte 
						Der dreiunddreißigste Psalm, überschrieben mit
						 von David, als er sich vor Abimelech verstellte 
						(Ps 33,1), scheint den im ersten Buch der Königsherrschaften Achimelech geheißenen Abimelech zu nennen, da die hebräischen Buchstaben, ich spreche von Chaf und Bet, große Ähnlichkeit aufweisen, so dass sie sich in nichts voneinander unterscheiden als durch eine einzige kleine Krümmung. 
						Mit der Geschichte verhält es sich so:
						 Und David kommt nach Nomba zum Priester Achimelech. Und Achimelech war überrascht von der Begegnung und sagte zu ihm: „Warum bist du allein und es ist niemand bei dir?“ Und David sagte: „Der König hat mir heute einen Auftrag erteilt und zu mir gesagt: Dass niemand von dem Auftrag weiß, weswegen ich dich sende und weswegen ich dich beauftragt habe! Und ich habe es den Dienern bestätigt an dem Ort, der Gottesglaube genannt wird, Phelmoni Almoni. Und jetzt, wenn du fünf Brote zur Hand hast, gib mir, was sich findet.“ Und der Priester antwortete David und sagte: „Ungeweihte Brote habe ich nicht zur Hand, sondern nur heilige Brote. Wenn die Diener die Frauen gemieden haben, können sie auch essen.“ Und David antwortete dem Priester und sagte zu ihm: „Aber ja, wir haben uns gestern schon den dritten Tag der Frauen enthalten. Als ich mich auf den Weg machte, waren alle Diener geheiligt, auch wenn der Weg selbst ungeweiht ist, weil er heute durch meine Gerätschaften geheiligt werden wird.“ Und der Priester Achimelech gab ihm die Schaubrote, weil es dort kein Brot gab als nur die Schaubrote, die vor dem Herrn weggenommen werden, um warmes Brot abzulegen an dem Tag, an dem man sie genommen hat 
						(vgl. I Sam 21,2–7). 
						Soweit die Geschichte. Anstelle von
						 an dem Ort, der Gottesglaube genannt wird, Phelmoni Almoni 
						sagt Aquila
						 an diesen gewissen Ort dieses gewissen Mannes 
						bzw. diesen gewissen herrenlosen (Ort), Symmachus dagegen
						 an diesen bestimmten Ort . Die Überschrift des Psalms nun scheint die Verstellung der Rede Davids gegenüber dem Priester anzudeuten durch die Aussage
						 als er sich vor Abimelech verstellte 
						(Ps 33,1) oder die Verstellung seines Verhaltens, weswegen es nach Symmachus heißt:
						 als er sein Verhalten vor Abimelech veränderte ; Aquila dagegen:
						 als er seinen Geschmack gegenüber Abimelech veränderte . Und wenigstens diesen zufolge scheint es deutlicher zu sein, dass wegen der heiligen Speise der Schaubrote gesagt wird, er habe seinen Geschmack verändert. Deswegen deutet er auch weiter im Psalmtext, wie es scheint, die heilige Speise an mit den Worten:
						 Kostet und seht, wie gut der Herr ist 
						(Ps 33,9). Indem er nun aufforderte, Christus selbst zu kosten, deutete er vielleicht mit diesen (Worten) seinen Leib an, weil auch das Gesetz die Schaubrote als Zeichen des eucharistischen Leibes Christi auffasst. Es gibt noch eine andere Verstellung Davids, in der er sich vor Anchus, dem fremdstämmigen König von Geth, verstellte, indem er Wahnsinn vortäuschte (vgl. I Sam 21,14), aber der Psalm scheint hier nicht diese Verstellung zu meinen. 
							(Psalmen) ohne Überschrift
						 
						Die Psalmen, die mit nichts von allem überschrieben sind – ich meine natürlich weder mit
						 Lied , noch mit
						 Hymnus , noch mit
						 Psalm , noch mit
						 Melodie , noch mit
						 Loblied , noch mit
						 Gebet 
						oder etwas dergleichen –, scheinen bestimmte nützliche Lehren zu enthalten sowie ermahnende und ermunternde Worte zur Annahme der Frömmigkeit. Ein solcher ist der zehnte, in dem es heißt:
						 Ich vertraue auf den Herrn. Wie könnt ihr meiner Seele sagen? 
						(Ps 10,1), und so weiter, und ähnlich der dreizehnte, der sagt:
						 Es sprach ein Tor 
						(Ps 13,1), und so weiter. 
						Auch die übrigen führen auf ähnliche Weise bestimmte lehrhafte Reden voller Nützlichkeit an. Freilich wurden sie nicht unter Psalmen oder Hymnen oder Liedern eingereiht, weil sie nicht den gleichen Charakter wie die genannten (Gattungen) aufweisen, es sei denn, dass zwar auch sie aufgeschrieben wurden, um mit einem Psalterium oder nach Art eines Liedes oder wie einer der genannten vorgetragen zu werden, es dann aber nicht geschah, dass auch sie vorgetragen wurden, so dass sie zwar die gleiche Bedeutung wie die Psalmen, die Lieder und die Gebete haben, aber keine Überschrift tragen, weil sie nicht vorgetragen wurden. Oder vielleicht wurden die einen wegen des ersten Grundes, die anderen wegen des zweiten keiner Überschrift für wert gehalten.
					 
						Denn der einundfünfzigste, der zu keiner der genannten (Gattungen) gehört, kündet von den Begebenheiten mit Doëk, wenn er sagt:
						 Was rühmst du dich in Bosheit, Gewaltiger? 
						(Ps 51,3), und so weiter, was wegen des finsteren Charakters nicht in der Art von Psalmen oder Liedern gesagt würde; wie auch nicht der zweiundfünfzigste, denn auch er enthält Betrübliches. 
						Der vierundfünfzigste aber, dessen Anfang lautet:
						 Höre, Gott, auf mein Gebet 
						(Ps 54,2), enthält die Art eines Gebetes, und wenn der sechsundzwanzigste sagt:
						 Der Herr ist mein Licht und mein Erlöser, wen sollte ich fürchten 
						(Ps 26,1), und im weiteren hinzufügt:
						 Ich will singen und spielen dem Herrn 
						(Ps 26,6), unterscheidet er sich in nichts von einem Psalm oder einem Lied. Dennoch wurden sie keiner Überschrift für wert gehalten, wahrscheinlich aus dem zweiten Grund. 
							Zu Ende sind die Hymnen Davids, des Sohnes von Jessai
						 
						Der einundsiebzigste Psalm enthält am Ende der Prophezeiung
						 Zu Ende sind die Hymnen Davids, des Sohnes von Jessai
						 (Ps 71,20). Da manche angenommen haben, der Ausdruck bedeute das Ende der Hymnen von David, wird man anmerken, dass der Sinn des Hebräischen dies nicht anzeigt. Jedenfalls hat Aquila anstelle von
						 Zu Ende sind die Hymnen Davids 
						gesetzt 
							Beendet sind die Gebete Davids , Symmachus aber
						 Zu Ende gebracht sind die Gebete Davids 
						und die Quinta
						 Abgeschlossen sind die Gebete Davids . Dadurch wird zum Ausdruck gebracht, dass das Gesagte mit dem übereinstimmt, was im Psalm über Christus prophezeit wird. Der Psalm ist nämlich überschrieben mit
						 an Salomon
						 (Ps 71,1). Sein Inhalt aber bezieht sich sowohl auf Salomon selbst als auch auf seinen Sohn, der aus seinem Samen entstehen wird. Deswegen heißt es:
						 Gott, gib dein Urteil dem König und deine Gerechtigkeit dem Sohn des Königs 
						(ebd.). Sodann werden darauf folgend einige prophetische Worte hinzugefügt über den Sohn des Königs, das heißt natürlich desjenigen, der aus dem Samen Salomons geboren werden wird, denn diese Worte können zu niemand anderem passen als nur zum Gesalbten Gottes. Denn die Aussage:
						 Er wird herrschen von Meer zu Meer und vom Fluss bis zu den Enden des Erdkreises 
						(Ps 71,8) und was dem ähnlich ist, lässt sich wohl nicht auf Salomon selbst beziehen, auch nicht auf Rhoboam, der seine Herrschaft übernommen hat (vgl. I Reg 11,43), und nicht auf einen anderen seiner Nachfolger, sondern nur auf unseren Erlöser.
					 
						Da es nun auch dem David durch ein Gebet geschah, dass die Geburt des Gesalbten aus seinem Samen und was darüber prophezeit wird vollendet wurden, wozu die Aussagen im vorliegenden Psalm gehörten, wie es am Ende heißt:
						 Und in ihm werden alle Heiden gesegnet werden 
						(vgl. Ps 71,17), und wieder:
						 Und von seiner Herrlichkeit wird die ganze Erde erfüllt werden 
						(Ps 71,19), ist dem plausiblerweise nach Aquila der Satz hinzugefügt:
						 Beendet sind die Gebete Davids , nach Symmachus aber der Satz:
						 Zu Ende gebracht sind die Gebete Davids , nach der Quinta:
						 Abgeschlossen sind die Gebete Davids . Die Gebete Davids wurden nämlich darin abgeschlossen, dass alle Heiden gesegnet werden durch die Erscheinung des Erlösers aller Heiden, die aus seinem Samen erfolgt ist. 
							Diapsalma
						 
						In den Psalmen, in denen die Diapsalmata eingetragen sind, hat Aquila
						 Gesang 
						anstelle von Diapsalma gesetzt, die Quinta dagegen
						 durchgängig . Nach den Abschriften, die es bei uns gibt, und nach Symmachus scheint der Vermerk Diapsalma dabeizustehen, wenn der Wechsel einer Melodie oder eines Rhythmus erfolgt ist; oft geschieht aber auch eine Änderung der Bedeutung bei den Diapsalmata, manchmal auch ein Wechsel der Person. 
						Auf das Ende hin, ein Psalm von David
					 
						Es könnte jemand meinen, dass alle mit
						 Psalm 
						überschriebenen (Psalmen) zum Schlagen eines Musikinstrumentes, des sogenannten Psalteriums, vorgetragen wurden. Weil aber nach Aquila durch das ganze Buch hindurch an den Stellen, an denen nach der Septuaginta die Überschrift
						 Psalm 
						steht,
						 Melodie 
						gesetzt ist, nach Symmachus dagegen
						 Lied 
						oder 
							Gesang , deshalb musste ich eine Anmerkung machen, damit niemand glaubt, alle bei uns (mit
						 Psalm ) überschriebenen Psalmen seien zum Musikinstrument gesprochen worden. 
						Denn es hat doch wohl keinen Sinn, dass zum Beispiel der fünfzigste, überschrieben mit
						 zum Ende; ein Psalm von David 
						(Ps 50,1), zu einem Psalterium gesprochen worden ist; wenigstens ist instrumentale Musik bei Trauer eine unpassende Ausdrucksform. Wie wäre es denn möglich, dass David über seinen gewaltigen Frevel beschämt, da ein heftiger Unwille Gottes gegen ihn entstanden war und eine Drohung durch den Propheten (vgl. II Sam 12,1–12), wie im Moment des Vergnügens ein Psalterium in die Hand nähme und Zeichen von Prasserei und Freude darböte? Was zu einem Psalterium Passendes enthalten denn seine Reden? Nicht vielmehr Klagen und Weinen, was plausiblerweise mit irgendeiner Trauermelodie, nicht aber zum Instrument gesprochen worden ist? 
						Dasselbe könnte man auch über den dritten (Psalm) sagen, der überschrieben ist mit
						 Psalm von David, als er vor seinem Sohn Abessalom davonlief 
						(Ps 3,1). Denn man wird verstehen, ob er in einem solchen Unglück, da er die Königsherrschaft verloren hatte und vom Sohn vertrieben wurde (vgl. II Sam 15,7–17), Zeit für (Instrumental-) Musik gehabt hätte. Sinn macht es aber wohl, dass er, als er zu Gott auch dieses Flehen emporsandte, es mit irgendeiner Melodie vorgebracht hat entsprechend zur Situation. Deshalb haben die anderen auch in der Überschrift dieser (Psalmen)
						 Melodie 
						und
						 Lied 
						gesetzt. 
						Die übrigen aber der gleicherweise überschriebenen (Psalmen) wird man ähnlich wie die besprochenen bei sich selbst bedenken.