<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:py="http://codespeak.net/lxml/objectify/pytype" py:pytype="TREE"><text><body><div type="edition" xml:lang="deu" n="urn:cts:greekLit:tlg2018.tlg010.1st1K-ger1"><div type="textpart" subtype="book" n="1"><div type="textpart" subtype="chapter" n="47"><p>das heißt: allein das vernünftige, gottliebende Geschlecht <milestone unit="altnumbering" n="23"/>
von denen auf Erden, über das ein anderer theologischer Prophet im
Geheimnis deutlich so lehrt, daß es in seiner οὐσία nach dem Bilde
Gottes sei: „Und es sprach Gott: Wir wollen einen Menschen machen
nach unserm Bilde und nach unserer Ähnlichkeit, und sie sollen herrschen
<lb n="30"/> über die Fische im Meere, über die Vögel des Himmels, über das Vieh,
über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht“.
Und mit dem Worte verband er auch die Tat: „Und Gott machte den
Menschen“ und er <supplied reason="undefined" resp="#editor">der Prophet</supplied> spricht: „Nach dem Bilde Gottes hat
er ihn gemacht“. Und ferner noch mehr, er stellte das Bild der göttlichen
<lb n="35"/> Ähnlichkeit aus dem göttlichen Odem her, indem er <supplied reason="undefined" resp="#editor">der Prophet</supplied>
<note type="footnote">19 = Psalam 85–9 28 = Gen 1 26 32. 33 = Gen 1 27
14 1. <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> (Druckfehler) 16 Statt: „in solchen Bildern“ ist vielleicht
zu übersetzen: „Demgemäß“ = <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> 21 <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> HS
1.	<foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> Lee</note>

<pb n="v.3.pt.2.p.63"/>
sagt: „Und er blies ihm den Atem des Lebens ins Gesicht, da  wurde
der Mensch zur lebendigen Seele“. Er lehrt, daß er ihmm die vorzüglichste
Herrschaft und Königswürde gab, in  den Worten,   die er spricht:
„Sie sollen herrschen über alles, das auf Erden <supplied reason="undefined" resp="#editor">ist</supplied>, über das Vieh, die
Vögel,  das Gewürm und die Tiere“. Über alle diese Worte legt die <lb n="5"/>
Natur Zeugnis ab, die alles unter seine Hand getan und alles diesem
vernünftigen Lebewesen unterworfen hat. Wenn aber die göttlichen
Worte von dir nicht gehört <supplied reason="undefined" resp="#editor">und anerkannt</supplied> warden, so glaube ich
dennoch nicht, daß dein Denken so große Finsternis sei, daß du nicht
im Geiste bei dir überlegst, wie eben die Vorzüglichkeit des Körpers <lb n="10"/>
und des Leibes beschaffen sei oder eines anderen göttlichen Etwas,
welches den Leib bewegt. Ich meine <supplied reason="undefined" resp="#editor">aber</supplied> dies, daß wir verstehen,
den kritischen Verstand auf die οὐσία dieses Etwas, das existiert, anzuwenden,
<supplied reason="undefined" resp="#editor">ferner</supplied> dies, daß wir durch das Gedächtnis eine Lehre überliefern,
<supplied reason="undefined" resp="#editor">endlich</supplied> dies, daß wir zu einer Theorie über das All fortschreiten. <lb n="15"/>
Geh in dich und frage, ob die Natur des Leibes erkennen kann den
Bestand der Welt, die Wirkung der Wandel der Zeiten, den Umlauf
der Jahre, die Reihenfolge der Sterne und so viele andere <supplied reason="undefined" resp="#editor">Dinge</supplied>, die
rechnung der Arithmetik ersonnen haben. Da diese <supplied reason="undefined" resp="#editor">Dinge</supplied> unkörperlich <lb n="20"/>
und die Theorien <supplied reason="undefined" resp="#editor">über sie</supplied> vernünftig sind, so ware e seine undendlich
große Torheit,  sie an Körper und Fleisch und Blut anzuheften.
Mit Recht warden diejenigen, die so meinen, gggefragt: weil alle Kräfte
des Leibes in die fünf Sinne zusammengefaßt warden, welcher von ihnene <lb n="25"/>
ist <supplied reason="undefined" resp="#editor">den so</supplied> beschaffen, daß er den Menschen Theorie <corr resp="#editor">und</corr> Lehre
nur die Unterscheidungsfähigkeit von Farben und Formen. Wenn du
<milestone unit="altnumbering" n="24"/> aber das Gehör nennst, so nennst du das Organ, das die hellen und
dumpfen Klänge, aber keineswegs die vernddünftige Theorie aufnimmt. <lb n="30"/>
Der Geschmack ist wiederum ebenso der Sinn für Süßigkeit und Speise.
Demgemäß ist auch das Riechvermögen eine Prüfung der Gerüche, aber
nicht der lehren, Ferner berührt der Sinn, der sich über den ganzen
Körper erstreckt, das Warme und Kalte, Harte und Weiche, aber keineswegs
die Tugend und die Weisheit, die viel besser ward. Wie aber? <lb n="35"/>
<note type="footnote">1= Gen 27 4 vgl. Gen 1 26</note>
<note type="footnote">20 „durch das Experiment der Geometrie und der Berechnung und der Arithmetik“
Σ, aber lies <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> 26 „Theorie der Lehre“ Σ wie
häufig <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> statt <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> 32 <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> „ und“ = καὶ</note>

<pb n="v.3.pt.2.p.64"/>
Haben nicht auch die unvernünftigen Tiere Augen, Ohren, Nasen, Geschmack
und Tastsinn? Aber keins von ihnen ist der Übung des Vernunftvermögens 
nahe gekommen, weil keineswegs Sache des Körpers und
des unvernünftigen Sinnes sind die Lehren, welche die Philosophie
<lb n="5"/> allein aufnimmt und die Vorzüglichkeit der vernünftigen Seele allein,
die besser ist als die leibliche Natur <supplied reason="undefined" resp="#editor">und</supplied> die allein im Menschegeschlecht 
wohnt. Und dennoch, wenn jemand unverschämt bie <supplied reason="undefined" resp="#editor">seinem</supplied>
Worte verharren Tiere gebe, da wir nach Art jener gebroen und vernichtet
<lb n="10"/> werden, deswegen weil auch Eines die Nahrung unser aller von
der Erde ist, und die leidensfähige Natur des Leibes ein und dieselbe
ist, und der Sinn in nichts besser ist, und ferner Arbeit und Rube ebenso
eine und die gleiche für uns alle ist, und die Vernichtung des Leibes
und die Auflösung in seine στοιχεῖα <supplied reason="undefined" resp="#editor">in derselben Weise erfolgt</supplied>, — so
<lb n="15"/> gehst du dennoch nicht soweit zu sagen, deß <supplied reason="undefined" resp="#editor">eines</supplied> von <corr resp="#editor">diesen</corr> <supplied reason="undefined" resp="#editor">Tieren</supplied>
nach Art des vernünftigen Lebewesens den unkörnerlichen Theorien
nahe gekommen sei und vernünftige Lehre davon getragen und Wissenschaft 
in sein Gedächtnis aufgenommen und Worte über das Bessere
und Schlechtere ersonnen habe, noch auch <supplied reason="undefined" resp="#editor">daß</supplied> die Philosophie jemals
<lb n="20"/> ihm in den Sinn kam. Aber all dies will ich übergehen, weil nicht
einmal alle Menschen es besitzen, indem ich <supplied reason="undefined" resp="#editor">nur</supplied> dies deine vernunft
frage: ob jemals eine Stadt gebaut is von den unvernünftigen <supplied reason="undefined" resp="#editor">Tieren</supplied>,
ode rob sie das Denken besitzen für ein Zimmermannswek oder für
ein Gebäude oder für ein Erzeugnis der Webkunst oder für den Ackerbau,
<lb n="25"/> oder ob jemals von ihnen ein Schiff genagelt ist, ode rob die wunderbare
Kunst der Steuerung ihnen auch nur in den Sinn gekommen ist, obwohl
die <supplied reason="undefined" resp="#editor">Dinge</supplied> des Leibes bei ihnen eine viel größere Vorzüglichkeit
haben als bei uns, deswegen weil „schwach ist das Geschlecht der
Mednschen“, wie die Poeten singen, und das kleinste von allen Lebewesen.
<lb n="30"/> Man kann nicht sagen, wie viel kleiner der Mensch ist an Leibesgröße 
als der Elefant. An Kraft und Überlegenheit kann er nicht einmal <milestone unit="altnumbering" n="25"/>
mit den Kamelen zusammengerechnet warden. An Stärke und
Schnelligkeit der Füße überläßt er Myriaden Tieren den Sieg. Wer
<note type="footnote">28 = Empedokles fr. 124 Diels</note>
<note type="footnote">7 „und dennoch“] wörtlicher „obgleich“ 9 „jenner“ = <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign>, korrektur
Lees in <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> unnötig 12 <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> „so“ hier = ὡσαύτως wie Σ 209 7 14 „Αuflösung
gegen seine στοιχεῖα“ Σ wohl = λύσις πρὸς τὰ στοιχεῖα 15 man erwartet 
das Femininum, aber kaum zu korrigieren, da auch das Verb mask. ist.
Zu ergänzen ist etwa wie im folgenden <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> <foreign xml:lang="abbr">ABBREV</foreign> „die Unvernünftigen“</note>

<pb n="v.3.pt.2.p.65"/>
aber könnte genannt warden, der besser röche als die Spürhunde, die
nach dem Geruch ihrer Nase zu gehen verstehen, und wer, der besser
sähe als alle Gazellen, die eben um ihres Sehens willen in der griechi-
schen Sprache den Namen „Seher“ erhielten? Ist es ferner nötig zu
sagen, wie viel schwächer in seiner Natur der Leib des Menschen ist <lb n="5"/>
als der der Bären, Löwen, Panther und Myriaden anderer <supplied reason="undefined" resp="#editor">Tiere</supplied>, und
<supplied reason="undefined" resp="#editor">wie</supplied> leicht er bezwungen wird von den Tieren, die ihn überfallen, und
<supplied reason="undefined" resp="#editor">wie</supplied> gering an Hinterlist? Indessen aber, eben dieser kleine <supplied reason="undefined" resp="#editor">Mensch</supplied>
unterwirft alle die genannten <supplied reason="undefined" resp="#editor">Tiere</supplied>, sobald er will, keineswegs durch
die Kraft des Leibes und des Körpers. Denn dieser ist zu klein und <lb n="10"/>
ungenügend, um auch nur den Bauch Eines Bären zu füllen. Sondern
es gibt in ihm irgend eine Natur, die besser ist als der Leib: die Kraft
des Verstandes und der verständigen Seele, und <supplied reason="undefined" resp="#editor">eben</supplied> durch die Vor-
züglichkeit der Weisheit ersinnt er alle diese staunenswerten <supplied reason="undefined" resp="#editor">Dinge</supplied>. 
Durch diese <supplied reason="undefined" resp="#editor">Dinge</supplied> bist du als der geliebte Sohn von Gott geehrt. <lb n="15"/>
Warum verkleinerst du deine Größe, indem du meinst, dein ganzes Du
sei Fleisch und Leib, und indem du das göttliche und vernünftige Wissen
in dir <corr resp="#editor">den</corr> unvernünftigen <supplied reason="undefined" resp="#editor">Wesen</supplied> und solchen, die ganz zugrunde gehen,
vergleichst? Überzeugt dich weder die Natur der unvernunftigen Lebe-
wesen noch der gemeinsame Name der Unvernunft noch die offenbare <lb n="20"/>
<supplied reason="undefined" resp="#editor">und</supplied> nützliche Bedienung, in der sie sich niemals davon freigemacht haben,
<supplied reason="undefined" resp="#editor">Lasten</supplied> zu tragen und <supplied reason="undefined" resp="#editor">das Land</supplied> zu bestellen, weil Gott dir die Voll-
macht und die Königsherrschaft über alle diese gab?</p></div></div></div></body></text></TEI>