Die Gonorrhö ist eine unfreiwillige Samenausscheidung; man kann aber die Samenausscheidung, die ständig und ohne Anspannung des Schamteils stattfindet, auch unbeabsichtigt nennen, wie es auch deutlicher ist. Der Priapismus aber ist eine Vergrößerung des ganzen Schamteils in der Länge und im Umfang ohne sexuelles Verlangen oder eine fremde Wärme, so wie es bei einigen passiert, die auf dem Rücken schlafen. So nämlich haben ihn einige beschrieben. Es geht aber auch kürzer: Eine dauerhafte Vergrößerung oder dauerhafte Anschwellung des Schamteils. Sie wurde freilich nach Priapos so benannt. Jenen nämlich bilden die Menschen ab und malen ihn so, als hätte er von Natur aus ein solches Schamteil. Der Name Gonorrhö ist offensichtlich zusammengesetzt aus Gone (Samen) und rheein (fließen). Der Samen wird nämlich sowohl Gone als auch Gonos genannt. So wie dies auch bei allen anderen Stoffen, die aus dem Körper entleert werden, auf zweifache Weise passiert – bald werden nämlich die Stoffe aus den Körpern, die sie enthalten, ausgeschieden, bald fließen sie auch von selbst aus, weil sie wegen der Schwäche derselben Körper nicht zurückgehalten werden –, so ist es auch mit dem Samen. In allen diesen Fällen besteht die Aufgabe der Natur sowohl im Ausscheiden bei geeigneten Gelegenheiten als auch im Zurückhalten. Zur Ausscheidung kommt es, wenn sich einerseits der Gang des Ausflusses öffnet, andererseits sich die übrige Höhlung zusammenzieht und den ganzen Inhalt der Höhlung in den geöffneten Gang stößt; zur Zurückhaltung aber kommt es, wenn der Gang im geschlossenen Zustand bleibt und kein Stoß von der enthaltenden Höhlung zu ihrem Inhalt kommt, sondern ganz im Gegenteil nur ein Zusammenziehen und Zurückhalten. So geschieht bei den natürlichen Zuständen die Ausscheidung und Zurückhaltung der Flüssigkeiten, die in den hohlen Organen enthalten sind. Bei den widernatürlichen Zuständen aber kommt es zur Zurückhaltung wegen der Schwäche der ausscheidenden Kraft, zur Ausscheidung kommt es hingegen wegen der Schwäche der zurückhaltenden Kraft oder wegen eines Zustands, der in gleicher Weise wie die ausscheidende Kraft die Körperteile bewegt, ähnlich wie es in den Samenorganen selbst passiert bei den Epilepsien und den anderen Krämpfen, wenn sie mit Gewalt entstehen. Wir sehen die Krämpfe auch bei anderen Körperteilen, z. B. Händen, Füßen und Zehen, wie sie bald entstehen, wenn der ganze Körper zugleich zusammenzuckt, bald aber betreffen sie allein diese Körperteile. Es ist also nicht ohne Grund, dass manchmal ein derartiger Zustand nur bei dem Samengefäßen entsteht, so wie freilich auch bei der Gonorrhö, (ein Zustand) der den unfreiwilligen Harnausscheidungen entspricht, wenn die zurückhaltende Kraft selbst gerade gelähmt ist. Die Gonorrhö ist also eine Erkrankung der Samenorgane, und nicht der Geschlechtsteile, welche der Samen als Weg für seinen Ausfluss benutzt. Der Priapismus zeigt sich deutlich als ein Symptom des Schamteils; es ist aber möglich, auch wenn Letzteres keine besondere und spezielle Erkrankung hat, dass es nur eine Erkrankung der Arterien ist, die manchmal einen solchen widernatürlichen Zustand aufweisen, wie er ihnen zustößt, (immer) wenn eine natürliche Anspannung des ganzen Schamteils geschieht. Dass es nämlich vom Pneuma anschwillt, ist offensichtlich für die, die aus der Schnelligkeit der Vergrößerung und der Zusammenziehung Schlüsse ziehen. Denn keine Flüssigkeit ist in der Lage, eine so schnelle Veränderung in jede der beiden Richtungen zu bewirken. Da es sich so verhält und sich bei den anatomischen Sektionen große Arterien zeigen, die in diesen kleinen Körperteil, die Scham, münden, sich andererseits das Wesen des Schamteils zeigt, wie es kein anderer Körperteil hat – es ist nämlich ein im Aussehen sehniger Körper, im ganzen röhrenförmig, außer der sogenannten „Eichel“ (Balanos) –, was sonst könnte jemand verstehen, dass es bei den Anspannungen an Größe zunimmt im Vergleich zu dem mit dampfartiger Luft gefüllten Körperteil, die ihm von den Arterien her zufließt, und aus diesem Grund hat die Eichel immer dieselbe Größe, weil in ihr die röhrenartige Sehne nicht vorhanden ist.