Es ist manchmal auch möglich, dass (die Gallenblase), wenn sie so wie die Harnblase voll von Harn gefüllt ist, nicht entleert werden kann wegen einer Verstopfung oder der fehlenden Spannung der ausscheidenden Kraft; so wie freilich auch sie (die Blase) wegen einer Verstopfung oder fehlenden Spannung der Gefäße, die in die Leber hinein geöffnet sind, niemals die gallenartige Flüssig heranziehen wird. Es ist also äußerst notwendig bei den gelbsüchtigen Krankheiten, die Art des Stuhls zu untersuchen, denn auch daraus entsteht ein gewisser Nutzen für die Diagnose. Da ich nun dies verstanden habe, habe ich bei einigen der an Gelbsucht Leidenden hinreichend mit gelber Galle gefärbten Stuhl gefunden, so wie bei einigen den Urin, und auch bei der Haut. Bei einigen wird das meiste (an gelber Galle) bei den Waschungen ausgeschieden, bei einigen aber wird das meiste zurückgehalten und sehr wenig ausgeschieden. Wenn ihr versucht, dies genau zu verstehen, (dann) fordert den Menschen auf, sich den Schweiß abzuschaben, ohne ihn vorher mit Öl zu bestreichen; ihr werdet nämlich sehen, dass der Schweiß, der sich im hohlen Teil des Schabeisens absetzt, nicht bei allen der gleiche ist, sondern bei einigen ist er wässriger, bei anderen aber gallenartiger. Daher wird die Diagnose des erkrankten Körperteils für euch in Verbindung mit der Vorgeschichte deutlicher sein, wenn ihr auch dieses Merkmal berücksichtigt. Als nun jemand ein hohes und gallenartiges Fieber hatte, wurde er von der Krankheit nach einer Woche befreit, nachdem reichlich gelbe Galle in die Haut eingebrochen ist, und während der folgenden Tage blieb die Gelbsucht bei ihm. Wir haben sowohl seinen Stuhl als auch seinen Urin untersucht. Da beides normal zu sein schien und sie dadurch (an)zeigten, dass das Organ nicht krank war, kam mir die Vermutung, dass es möglich ist, dass die Galle, die in die Haut eingebrochen war, dicker sei. Ermuntert von dieser Überlegung und nachdem ich erfahren hatte, wie beschaffen sein Schweiß ist, wobei er wässriger erschien, habe ich erkannt, dass seine Galle schwer abzutransportieren ist, und ich habe den Kranken aufgefordert, natürliches warmes Wasser zu benutzen, was den Abtransport durch Schweiß fördert, und zugleich flüssigere Nahrung zu sich zu nehmen, die imstande ist, die Dicke der Säfte maßvoll dünner zu machen. Dieser wurde nun so von seiner Krankheit befreit, wobei mit einem Hilfsmittel sowohl seine Diagnose bestätigt als auch seine Heilung vollbracht wurde. Nachdem ich aber bei einem anderen eine Menge Galle auf dem Schabeisen gefunden hatte, habe ich vermutet, dass viel Galle in seinem ganzen Körper entsteht, und nachdem ich die für diesen Fall passende Behandlung angewandt habe, habe ich ihn geheilt. Bei allen denjenigen aber, bei denen ohne Fieber zusammen mit einer Empfindung einer Last im Bereich des rechten Oberbauchs (Hypochondrion) eine Gelbsucht entstand, habe ich die meisten von ihnen in einem Tag geheilt, indem ich die Verstopfung vorher gelöst habe, wie ihr wisst, mit allen diesen Speisen und Getränken und Arzneien, die die Verstopfungen dünner machen, und indem ich ihnen ein gallentreibendes Medikament gegeben habe. Bei diesen aber richtete das reinigende Mittel nichts aus, und nachdem ich sie mit einem stärkeren Verstopfung lösenden Mittel getränkt habe, habe ich sie wieder heftiger gereinigt, sodass am Ende dieser Reinigung begleitet von einem sehr heftigen beißenden Schmerz die Galle ausgeschieden wurde, eher bläulich als gelb. Bei diesen glaube ich nun, dass die Gallenblase eine ähnliche Krankheit erleidet wie die, die manchmal bei der urinsammelnden (Blase) entsteht. Denn auch bei ihr wird manchmal soviel gesammelt, sodass sie überspannt wird und nicht imstande ist, ihren Inhalt auszuscheiden. Aber im Falle der Harnblase – es ist nämlich nicht schlechter, sie so zu nennen – geschieht dies auf zweifache Weise: Bald wegen der Schwäche der ausscheidenden Kraft, bald aber, weil der Urin länger verhalten wurde, entweder wegen eines tiefen Schlafs oder irgendeiner Beschäftigung, infolgedessen die Blase überdehnt wurde, und aus eben diesem Grund ist ihre Kraft schwach geworden. Bei der Gallenblase aber, weil sie zur Ausscheidung nicht von einer seelischen Kraft unterstützt wird, gibt es einen einzigen Grund für die fehlende Spannung, so wie auch bei den anderen natürlichen Organen, die infolge der schlechten Mischung des Körperteils entsteht.