Die gemeinsame Rede, die ich zu halten beabsichtige, handelt von den natürlichen Kräften, von denen ihr zuvor gelernt habt, dass sie in jedem einzelnen Körperteil nach der Gattung vier sind. Die erste von ihnen nenne ich die anziehende Kraft, weil sie nach den Säften, die dem Körperteil eigen sind, verlangt und sie zugleich zu sich heranzieht zwecks Nahrung. Die zweite, an diese sich anschließende, nenne ich die umwandelnde Kraft der angezogenen Dinge, gemäß der der angezogene Saft ähnlich dem ernährten Körperteil wird. Die anderen zwei Kräfte sind Dienerinnen dieser Kraft; einerseits die festhaltende, immer wenn der Körperteil den herangezogenen Saft verdaut, um ihn in seine eigene Natur umzuwandeln, und die ausscheidende (Kraft), wenn (der Körperteil) nach der Verdauung das Unbrauchbare ausscheidet, welches Rückstand genannt wird. Ich ermahne euch, immer diese Kräfte bei jedem einzelnen erkrankten Körperteil zu untersuchen, wie es mit seiner Kraft oder Schwäche steht, so wie bei der Leber, da es mein Anliegen ist, über diese zu sprechen. Wenn die anziehende Kraft in irgendeiner Weise krank ist, dann wird sie die Nahrung in einem breiigen Zustand im Magen zurücklassen, sodass sie aus dem After ausgeschieden wird, zwar genau verdaut, aber flüssig und unausgetrocknet. Das wird für euch ein Zeichen sein, dass (die Kraft) erkrankt ist. Alle (Zustände) nämlich, die durch irgendwelche entstehen, die quasi die Ursachen für sie sind, diese sind deren Anzeichen. Manche behaupten, dass dies eine Krankheit des Mesaraions ist, und sie nennen die so Erkrankten mesaraisch, weil sie sehen, dass die Verteilung (der Nahrung), die mittels der Venen des sogenannten „Mesaraion“ und „Mesenterium“ geschieht, versagt, wobei sie der gleichen Ahnungslosigkeit verfallen (zusammen) mit denjenigen, die glauben, dass die Hände von denen erkrankt sind, die eine Synkope entweder des Magenmundes oder des Herzens erleiden, weil sie nicht imstande sind, mit ihnen (den Händen) Tätigkeiten so auszuführen wie vorher. Die Venen des Mesaraions nämlich sind gleichsam wie Hände für die Leber, da sie die Nahrung aus dem Magen zu ihr heraufbringen. Auch diejenigen tun etwas Ähnliches wie diese, deren untere Glieder aufgrund einer Krankheit des Rückenmarks in der Lendenwirbelsäule gelähmt sind, und ihren Gliedern zwar Arzneien verabreichen, das Rückenmark aber vernachlässigen. Wenn sich nun das Mesenterium entzünden sollte oder eine andere ähnliche Krankheit in ihm wäre, könnte jemand in angemessener Weise annehmen, dass diese eine eigene und spezielle Krankheit von ihm stamme. Wenn aber die Leber kraftlos wäre und daher nicht im Stande, mittels ihrer Venen die Nahrung anzuziehen, dann ist nicht bei ihnen (den Kranken) das Mesaraion das, was der Behandlung bedarf, sondern die Leber, so wie es auch nicht bei den durch eine Krankheit des Rückenmarks Gelähmten die Hände oder die unteren Glieder sind. Die Diagnose derjenigen, die bereits eine entzündliche oder rosenartige Krankheit im Mesenterium haben, wird euch gelingen, wenn ihr sorgfältig deren Stuhl untersucht. Denn nicht nur wird auch bei diesen genau derartiges ausgeschieden, was, wie ich gesagt habe, bei denjenigen ausgeschieden wird, bei denen die Leber aus fehlender Spannung nicht die Nahrung an sich ziehen kann, sondern es wird sich euch zeigen, dass irgendeine Blutflüssigkeit wie aus einer Entzündung (dem Stuhl) beigemischt ist. Wenn nämlich alle Körperteile entzündet sind, die nicht von einer dichten und dicken Bedeckung umschlossen sind, dann fließen aus ihnen am Anfang dünne Blutflüssigkeiten, wenn aber die Entzündungen reif werden, sind sie dicker und eitriger. Wann auch immer nun etwas derartiges bei den breiigen Stuhlgängen mitgeführt wird, ohne dass es eine Entzündung der Leber gibt, dann ist es nötig anzunehmen, dass bei ihnen (den Kranken) das Mesaraion erkrankt ist. So wie die anziehende Kraft (der Leber) erkrankt ist (und) die (Leber) nicht mehr wegen der fehlenden Spannung den Brei aus dem Magen heranziehen kann, so gibt es auch eine fehlende Spannung der ringsum zusammenziehenden und festhaltenden Kraft der Leber, die nicht festhalten kann. Und wegen dieser findet am Anfang zwar eine Ausscheidung von wässrigem Blut statt, danach aber eine Ausscheidung von bereits dickerem und quasi sedimentiertem (Blut). So finden einige andere Ausscheidungen nicht wegen der Schwäche, sondern wegen der Stärke der ausscheidenden Kraft statt. Oft bei allen gesunden Menschen aufgrund der Menge, oft aber auch, wenn der Erkrankte mittels der Leber gereinigt wird und die Natur wieder zur Stärke kommt.