Daraufhin konnte nicht einmal mehr der Kranke selbst ruhig bleiben, sondern er brach zusammen mit Glaukon in laute Bewunderung aus. Da ich nun die Gunst jenes Augenblicks spürte, wagte ich auch vom Schlüsselbein anzudeuten, dass es gleichsam herabgezogen werde; da ich aber wusste, dass dies eine Begleiterscheinung der starken Entzündungen an der betreffenden Stelle wie auch der Verhärtungen ist, hatte ich nicht den Mut, es offen zu sagen, indem ich mich so davor hütete, dem zuvor geernteten Lob in irgendeiner Weise Abbruch zu tun. Mir kam nun der Gedanke, mich zu äußern, ohne ein Risiko einzugehen, und nachdem ich den Kranken angesehen hatte, sagte ich: „Du wirst binnen Kurzem das Gefühl haben, dass das Schlüsselbein herabgezogen wird, wenn dies bei dir nicht schon eingetreten sein sollte.“ Als er es bestätigte und ich sah, dass der Kranke wunder wie erstaunt war, sagte ich: „Ich werde noch eine Enthüllung zu dem Gesagten hinzufügen; denn ich will auch die Meinung des Kranken angeben, die er von der Krankheit hat, an der er leidet.“ Glaukon äußerte nun, er habe auch im Hinblick auf diese Enthüllung volles Vertrauen; der Kranke selbst aber, erstaunt über das Unerwartete meines Versprechens, blickte mich scharf an, indem er seine Aufmerksamkeit auf die kommenden Ausführungen richtete. Als ich indessen sagte, er glaube, die Krankheit, die ihm zu schaffen mache, sei eine Rippenfellentzündung, bestätitgte er es voller Verwunderung, und zwar nicht er allein, sondern auch sein Sklave und derjenige, der ihm erst vor kurzem, als ob er an Rippenfellentzündung litte, einen warmen Umschlag mit Öl gemacht hatte. Glaukon aber hatte seit jener Zeit von uns und der ganzen Heilkunst eine hervorragende Meinung, obwohl er vorher der Ansicht gewesen war, die Heilkunst könne nichts Bedeutendes leisten, und zwar glaubte er dies aufgrund der Tatsache, dass er noch niemals Männern begegnet war, die eine hervorragende Ausbildung erfahren hatten. Dies habe ich euch gesagt, damit ihr sowohl die speziellen Symptome jeder einzelnen Krankheit als auch die bei beiden Krankheiten gemeinsamen Symptome kennt, und zusammen mit ihnen noch die unabtrennbaren Symptome von jeder der beiden Gattungen, die meistens entstehen, die anderen selten, und wenn euch der Zufall so eine Gelegenheit bieten sollte wie diese, von der ich sagte, dass sie mir selbst einmal zuteil geworden ist, (damit ihr) diese geschickt nützen könnt. Denn oft gibt uns der Zufall große Gelegenheiten, angesehen zu werden. Die meisten aber verstehen es wegen der Unwissenheit nicht, sie zu nutzen. Aber der Fachmann wird, immer wenn er sich ein einziges Symptom anschaut von denjenigen, die sowohl die Krankheit als auch zugleich den erkrankten Körperteil anzeigen, fähig sein, nicht wenige andere (Symptome) zur Vorhersage für den erkrankten Körperteil und für die Krankheit in ihm zu finden, sowohl die einen, die notwendigerweise folgen, als auch die anderen, die meistens folgen. Es ist nötig, dass ihr euch ganz besonders an die allgemeinen theoretischen Prinzipien erinnert, die auch „universell“ bezeichnet werden, die viele Gemeinsamkeiten mit vielen der einzelnen Symptome aufweisen, damit ihr euch bei der ganzen Materie der einzelnen Sachverhalte darin übt, sie schnell zu bestimmen.