Dies sagte er also, und schon waren wir an der Tür des Kranken, sodass ich nicht einmal mit einer Entgegnung auf seine Herausforderung antworten und sagen konnte, was ich, wie ihr wisst, häufig sage, nämlich dass sich uns bisweilen durch glückliche Umstände einige sichere Zeichen zeigen, dass aber bisweilen alle zweifelhaft sind und wir deshalb eine zweite und dritte Untersuchung abwarten. Und in der Tat begegnete uns unmittelbar nach unserem Eintreten jemand, der aus dem Schlafzimmer ein Becken zum Abort hinaustrug, das gleichsam Spülwasser von frisch geschlachtetem Fleisch enthielt, eine dünne Blutflüssigkeit, ein sehr sicheres Zeichen für eine erkrankte Leber. Als ob ich es nun überhaupt nicht gesehen hätte, ging ich zusammen mit Glaukon zu dem Arzt hinein und legte meine Hand an sein Handgelenk, da ich erkennen wollte, ob in dem Organ auch eine Entzündung vorhanden sei oder nur eine fehlende Spannung. Da der zu Bett liegende, wie ich sagte, Arzt war, sagte er, er habe sich gerade niedergelegt, nachdem er Stuhlgang gehabt hatte, „folglich stelle in Rechnung, dass auch infolge des Aufstehens die Häufigkeit der Pulsschläge etwas zugenommen hat“. Das sagte er, ich aber fand die Andeutung für eine Entzündung; nachdem ich dann auch noch ein kleines Töpfchen an der Tür hatte stehen sehen, das in einem Honigmischgetränk zubereiteten Ysop enthielt, schloss ich daraus, dass der Arzt glaubte, er leide an einer Rippenfellentzündung, da er an den falschen Rippen Schmerzen hatte, die bisweilen auch bei Leberentzündung zusätzlich auftreten. Ich überlegte mir, dass er, da er diese Schmerzen spürte – denn er atmete häufig und flach und wurde von leichten Hustenanfällen gereizt –, glaubte, er leide an einer Rippenfellentzündung, und deswegen den Ysop in dem Honigmischgetränk zubereitet hatte. Nachdem ich nun erkannt hatte, dass mir auch der Zufall den Weg wies, sodass ich bei Glaukon an Ansehen gewinnen konnte, legte ich meine Hand auf der rechten Seite auf die falschen Rippen des Kranken, und indem ich zugleich auf die Stelle wies, sagte ich, dort habe er Schmerzen; als er es bestätigte, erschien mir Glaukon, im Glauben, das Erkennen des erkrankten Körperteils sei allein aufgrund des Pulses erfolgt, sichtlich verwundert. Damit ich ihn nun noch mehr in Erstaunen versetzte, fügte ich noch Folgendes hinzu: „Wie du bestätigt hast, dass du dort Schmerzen hast, so bestätige noch, dass du auch das Bedürfnis hast zu husten und dass du in größeren Abständen Anfälle von leichtem, trockenem Husten ohne Auswurf hast.“ Als ich dies sagte, bekam er zufällig einen solchen Hustenanfall, wie ich ihn beschrieben hatte, sodass Glaukon sich in großer Verwunderung nicht mehr zurückhielt, sondern sich mit lauter Stimme in Lobeshymnen erging. „Glaube nun nicht“, sagte ich, „dass die Heilkunst nur diese Dinge bei den Kranken aufzuspüren in der Lage ist, sondern außerdem auch noch das, was ich jetzt sagen will; der Kranke selbst wird es bezeugen.“ Indem ich dann wieder begann, sagte ich zu ihm: „Sooft du stärker atmest, spürst du offensichtlich, dass der Schmerz an der Stelle, die ich dir gezeigt habe, heftiger wird, du spürst aber auch, dass ein Gewicht rechts auf dem Oberbauch liegt.“