Es werden aber ausschließlich als Leberkrankheiten die (Krankheiten) bezeichnet, die wegen der Schwäche ihrer Kraft (entstehen); denn sie sind eigene Erkrankungen der Lebersubstanz. Ihr habt aber gelernt, dass die Substanz von jedem einzelnen der ersten Körper gemäß der Mischung der vier Qualitäten ist. Wenn ihr seht, dass Blutablagerung durch den After ausgeschieden wird, dann solltet ihr in ähnlicher Weise wissen, dass auch dies ein Zeichen einer Leberkrankheit ist. Der nun dünne und eiterartige Blutwechsel ist ein Merkmal der krankhaften Schwäche des Organs. Das andere aber ist gleichsam eine Ablagerung, wenn das Organ das Blut überkocht. Weil ihr auch dieses oft gesehen habt, erinnert ihr euch deshalb, dass am Anfang Blutflüssigkeit ausgeschieden wird, mit fortschreitender Zeit aber dickes und schwarzgalliges Blut, zum Schluss aber auch genau schwarze Galle. Manchmal nämlich beginnt die Krankheit bei der kalten schlechten Mischung ohne Fieber, wenn eine dünne Blutflüssigkeit ausgeschieden wird. Mit fortschreitender Zeit, wenn das Blut in dem Organ zersetzt wird, kommen Fieber hinzu. Diese übersehen die Unerfahrenen sehr und bisweilen schien ihnen der Kranke vollkommen fieberfrei zu sein, und sie denken, dass dies wegen der Nüchternheit geschehen ist, welche die so Erkrankten einhalten, vielmehr wegen der Appetitlosigkeit als wegen der Anordnung der Ärzte. Da nun in der Zwischenzeit nichts mehr aus dem Magen ausgeschieden wird und das Fieber scheinbar ganz verschwunden ist, waschen sie sie und erlauben ihnen, sich etwas nachlässiger zu ernähren. So scheidet der Magen wieder die Speisen zersetzt aus, und es folgt Stuhlgang, der für Leberkrankheiten typisch ist. Bei einigen aber, die bei einer kalten schlechten Mischung angefangen haben krank zu sein: Nicht nur setzt sich der Appetit nicht nur frei, sondern manchmal sagen sie sogar, jetzt mehr Hunger als vorher zu haben. Freilich folgt auf die warmen schlechten Mischungen niemals Appetit auf Speisen, sondern schlimme Appetitlosigkeit und starker Durst, und kein niedriges Fieber, und Erbrechen von schlechten Säften. Diese sind nun die spezifischen Symptome der Leberkrankheiten. Ich sagte aber, dass jene so genannt werden, bei welchen die Kraft des Organs schwach ist, bei welchen die meisten Ärzte in die Irre geführt werden und die Krankheit für eine Kolik halten. Andere sind, wie ich ausgeführt habe, die Symptome der Entzündung, und wenn manchmal beide Erkrankungen zusammenfallen, zeigt sich jedes von beiden, und es ist nötig, die Erinnerung an diese parat zu haben. Denn auf diese Weise werden wir nicht nur von denjenigen gelobt werden, die unsere Werke benutzen, sondern wir werden auch bewundert werden, da wir darüber hinaus auch die gemeinsamen (Symptome) bei jeder der zwei (Krankheiten) in Betracht ziehen, sowie die Tatsache, dass der Schmerz bis zu den falschen Rippen reicht und dass man den Eindruck hat, dass das Schlüsselbein sich zusammensenkt und dass man flach und häufig atmet. Ich für meinen Teil wurde, unmittelbar als ich nach Rom zurückgekehrt war, von dem Philosophen Glaukon aufgrund folgender Diagnose in hohem Grade bewundert. Denn als er mir auf der Straße begegnete, sagte er, ich sei ihm im rechten Augenblick unter die Augen gekommen; und nachdem er mir so die Hand gegeben hatte, sagte er: „Wir sind in der Nähe des Kranken, den ich gerade besucht habe, und ich bitte dich, mit mir zu ihm zu gehen; es handelt sich um den Arzt aus Sizilien, den du vor wenigen Tagen mit mir hast spazierengehen sehen.“ – „Was ist es denn, was ihm fehlt?“ entgegnete ich. Sehr bereitwillig bekannte er mit größter Offenheit, denn er war gar nicht in der Lage, seine Gedanken zu verbergen und verschlagen zu sein: „Da mir gestern Gorgias und Apelas und ihr Kreis mitteilten, du habest Diagnosen und Prognosen gestellt, die mehr mit Wahrsagerei als mit Medizin zu tun haben, wünsche ich selbst eine Probe zu bekommen, nicht so sehr von dir als vielmehr von den Möglichkeiten der Medizin, ob sie in der Lage ist, solche Diagnosen und Prognosen zu stellen“.