Wenn sie aber bereits nahe an der Phrenitis sind, sind ihre Augen hinreichend trocken oder es ergießt sich aus dem einen Auge ein heftiger Tränenstrom, und danach haben sie Augenbutter und die Venen in ihnen (den Augen) sind voller Blut und es kommt zu Nasenblutungen; und zu dem Zeitpunkt, wenn sie bereits keine genauen und vernünftigen Antworten (mehr) geben, reißen sie Wollflocken von ihren Decken und zupfen Stroh aus ihren Betten. Und sie haben trockeneres Fieber, was keine große Schwankungen in jede der beiden Richtungen hat, so wie einige andere sehr heftige Hochfieberphasen haben, aber mildes Abflauen. Was muss man dann sagen über eine hinreichend raue Sprache oder dass sie manchmal falsch hören und dass sie manchmal finster blickend liegen und kaum Antwort geben oder darüber, dass sie, wenn ein Körperteil einen schmerzhaften Zustand hat, das überhaupt nicht spüren, selbst wenn jemand etwas heftiger diesen Körperteil berührt. Denn kurz befinden sie sich in diesem Zustand der Phrenitis, wenn ihr Gehirn so erkrankt, aber bei keinem anderen Körperteil dauert die Geistesverwirrung an, außer allein beim Zwerchfell. Es kommt nämlich irgendwie nahe an einen Dauerzustand, sodass aus eben diesem Grund bei den Alten die Meinung herrschte, dass man an Phrenitis erkrankt, wenn dieser Körperteil entzündet ist, und sie haben diesen Körperteil „Phrenes“ (Verstand) genannt, aus eben dieser Annahme, dass es irgendwie zum denkenden Körperteil beiträgt. Die Geistesverwirrung, die von diesem Körperteil herrührt, wird von der bei der Phrenitis üblichen Geistesverwirrung unterschieden, aufgrund der Symptome bei den Augen und den Nasenblutungen und der Art der Atmung. Der Atem ist nämlich bei den an Phrenitis des Gehirns Erkrankten tief und (dauert) längere Zeit und ist regelmäßig. Bei den an Phrenitis (des Zwerchfells) Erkrankten ist der Atem aber unregelmäßig, sodass er manchmal auch flach wird und häufig, manchmal aber auch tief und seufzerartig. Wenn aber die Entzündung im Bereich des Zwerchfells beginnt, dann atmen sie flach und häufig, bevor sie in den Zustand der Geistesverwirrung geraten; jenen (an der Phrenitis) des Gehirns Erkrankten wiederum geht ein tiefer und seltener Atem voraus. Und um es zusammenfassend zu sagen: Von den eben genannten (Symptomen) geht der Phrenitis entweder nichts voraus, oder selten geschieht es, dass das Zwerchfell entzündet ist bei denen, die am Anfang der Krankheit stehen. So wie sich wiederum der Oberbauch bei der Erkrankung des Zwerchfells selbst von Anfang an zusammenzieht, bei Erkrankung des Gehirns aber ist das eines der später hinzukommenden (Symptome), wenn die Krankheit sich bereits eingenistet hat und nicht am Anfang steht. Und auch die Hitze ist größer im Kopf und im Gesicht bei denjenigen, die die Entstehung der Geistesverwirrung im Kopf selbst haben. Die anderen Krankheiten des Zwerchfells aber, sowohl diejenigen, die aufgrund einer Ersterkrankung entstehen, als auch die, die aufgrund des Mitleidens entstehen: Die einen gehören nicht in die vorliegende Abhandlung – alle bei denen das Zwerchfell offensichtlich krank ist und bei allen anderen Symptomen und den Zwischenräumen, die in ihm entstehen –, von den anderen ist in dem vorherigen Buch abgehandelt worden. 5. Der Körperteil, der zwischen Rachen und dem Eingang des Magens liegt, welchen die Alten Speiseröhre nannten, pflegen die Menschen nach Aristoteles Stomachos zu nennen, wobei Aristoteles selbst nicht immer diesen Körperteil des Lebewesens mit dem alten Namen nennt. Der Nutzen dieses Körperteils ist doppelt: Der erste ist ein Weg für das Geschluckte und das Erbrochene, der zweite gemäß dem es eine Funktion zu beiden Wegen hin hat, sowohl für das was aus dem Mund in den Magen hinunterwandert, als auch für das, was aus jenem zum Mund zurückgebracht wird.