Aristoteles nannte diesen Körperteil „Untergurt“ (Hypozoma), wobei er selbst auch seine wichtige Funktion gut kannte, die sehr nützlich für die Lebewesen ist: Es ist nämlich ein Atmungsorgan. Wenn es nun erkrankt, dann behindert es verständlicherweise die Atmung, wie wir auch in der Rede über die Atemnot zuvor dargelegt haben; dabei wurde neben den eigenen Erkrankungen dieses Organs auch denjenigen Rechnung getragen, die entstehen, wenn es durch das Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen wird, sowie denjenigen Erkrankungen, welche die von ihm ausgehenden Nerven betreffen. Nun aber wollen wir auch alle anderen Erkrankungen dieses Organs erwähnen, die dadurch entstehen, dass es in Mitleidenschaft mit dem oberen Zentralorgan gezogen wird. Bevor man nun in den Zustand der Geistesverwirrung gerät, ist die Atmung häufig und kurz. Wenn man aber bereits geistesverwirrt ist, ist die Atmung auf verschiedene Weise unregelmäßig, wie in den Büchern Über die Atemnot gezeigt wurde. Geistesverwirrungen entstehen nun sowohl wenn die Magenöffnung erkrankt ist als auch bei hohem Fieber als auch bei der Rippenfellentzündung als auch bei der Lungenentzündung. Aber diejenigen, die wegen des Verstandes entstehen, sind nahe verwandt mit der Phrenitis. Denn bei den anderen Körperteile erkranken sie (zwar) auch mit hohem Fieber, die Geistesverwirrung legt sich (aber), sobald diese nachlassen. Das Eigene und Besondere aber bei der Phrenitis besteht darin, dass die Geistesverwirrung auch bei Nachlassen des Fiebers nicht aufhört. Denn das Gehirn erkrankt nicht aufgrund des Mitleidens mit jener Krankheit, sondern aufgrund der Eigen- und Ersterkrankung ist es krank. Und deswegen entsteht diese Krankheit innerhalb kurzer Zeit und sie (die Kranken) werden nicht plötzlich oder sehr stark wahnsinnig, wie bei allen anderen Körperteilen, von denen ich gerade gesprochen habe. Nicht wenige Symptome gehen der Entstehung dieser Krankheit voraus, und alle diese nennt man Anzeichen der Phrenitis, und darüber haben alle meine Vorgänger geschrieben. Teils (ist zu beobachten), dass (dieser Krankheit) Schlaflosigkeit vorausgeht oder Schlafphasen, die unruhig und laut aufgrund von deutlichen Trugbildern sind, sodass man bald sowohl aufschreit als auch aufspringt. Teils (ist zu beobachten) eine unsinnige Vergesslichkeit wie z. B. wenn die Kranken, nachdem sie einen Nachttopf verlangt haben, nicht mehr urinieren, oder nachdem sie uriniert haben vergessen, das Gerät herauszugeben, oder dass sie lauter oder überhaupt frecher antworten, insbesondere, wenn man vorher ein gesitteter Mensch war. Alle diese Kranken trinken wenig und sie atmen tief und selten und sie haben kleineren und nervöseren Puls. Und manchmal haben sie auch Schmerzen im Genick.