Der Puls wird dir am besten anzeigen, ob das Rippenfell eher oder die Muskeln, die es berühren, erkrankt sind. Denn weniger die Muskeln, vielmehr aber das Rippenfell spannt die Arterie und macht sie hart, wie bei den Lungenleiden, solche Verhärtung ist aber keineswegs sichtbar. Das sich in die Brusthöhle ergießende (eitrige) Sekret geht in die rauen Arterien der Lunge über und wird mit dem Husten ausgeworfen, wobei es anzeigt, wie beschaffen der die Entzündung verursachende Saft ist, ob er etwa bittere Galle oder schwarze Galle, ob er Schleim oder Blut enthält. Denn bei dem (Saft), der bittere Galle enthält, ist der Auswurf bleich und hellgelb, bei dem, der schwarze Galle enthält, schwarz; etwas schaumig und weiß schimmernd wird er, wenn der Schleim enthaltende Saft überwiegt, sowie auch rot, wenn der Blut enthaltende (überwiegt). Dass nun etwas aus der Brusthöhle mit dem Husten ausgeworfen wird, kann man deutlich an den Zuständen erkennen, bei denen sich das Geschwür von außen nach innen erstreckt, entweder wenn eine Durchbohrung nicht verschlossen wurde oder bei einem großen Abszess, der auf beiden Seiten geplatzt ist oder abgeschnitten wurde, weil er zwar nur nach außen hervortrat, es sich beim Schneiden aber herausstellte, dass das Rippenfell zerfressen war, oder auch wenn eine Rippe wegen Brandes weggeschnitten wurde, sei es wenn die Ärzte nicht in der Lage waren, das Rippenfell unversehrt zu bewahren, sei es weil sie es irgendwie zerfressen oder ganz verfault (vor)gefunden haben. Denn wenn wir bei allen derartigen Zuständen Honigtrank in die Brusthöhle eingießen, wird er sofort mit dem Husten ausgespuckt, da der Patient am Geschmack selbst erkennt, dass es sich um Honigtrank handelt. Wie dies aber vonstatten geht und über welche Wege (die Flüssigkeit) in die Luftröhre gelangt, ist für den, der es will, möglich zu untersuchen, wobei er darauf achten soll, dass es ihm nicht so ergeht wie einigen, die bei der Suche nach der Ursache ratlos geworden sind; vielleicht weil sie sich selbst überzeugten, dass der Übergang von der Brusthöhle in die Lunge unmöglich sei, vielleicht aber auch weil sie es vorgaben, da sie nicht den Eindruck erwecken wollten, ratlos zu sein. Wir müssen aber überzeugt sein, dass der Übergang stattfindet; denn man sieht ihn deutlich bei den Durchbohrungen. Wie er aber stattfindet, (müssen wir) untersuchen und zufrieden sein, wenn wir es finden; solange wir uns aber selbst noch nicht davon überzeugt haben, es herausgefunden zu haben, (müssen wir) eher unsere Unkenntnis zugeben als den Vorgang falsch erklären. Man sieht auch bei den mit Blut verschlossenen Durchbohrungen, dass einige Kennzeichen des Blutes, das bei den Verletzungen in den Raum zwischen Brustkorb und Lunge geflossen ist, ausgeworfen werden. Auch bei den eitrigen Abszessen ist sowohl die Konsistenz des Eiters in diesem Raum deutlich als auch der Auswurf zusamment mit Husten. Auf dieselbe Weise liegt es nahe, dass es auch zu den Auswürfen von Blut und Eiter aus dem Brustkorb kommt, worüber Erasistratos bei der Suche nach den Wegen nicht überzeugend in seinem Buch Über die Heraufführung des Blutes in folgendem Passus schreibt: „Das, was von diesen Stellen aufsteigt, hat folgenden Weg der Heraufführung. Von der längs der Wirbelsäule gelegenen Arterie gibt es auf jeder Seite Ausläufer der Gefäße, in gleicher Weise von der rechten wie von der linken Seite. Diese (Ausläufer) spalten sich in die nahegelegenen Teile hinein noch mehr auf und enden unsichtbar für die Wahrnehmung. Wenn nun ein Eintritt von Blut in diese Arterien stattfindet, dann beginnt in der hohlen Arterie (Hohlader) die Rückführung zu den Bereichen um die Lunge und an den Verbindungsstellen, durch die die Lunge mit der Arterie an der Wirbelsäule verbunden ist. Denn auch auf diese Weise findet die Rückkehr des eingetretenen (Blutes) in die Lunge statt; wie es aber von der Lunge aus zur Heraufführung kommt, ist zuvor gesagt worden.“