So scheint nun die Lunge durch die Verletzung selbst bei den großen Stichwunden einzufallen. Aber vor der Verletzung drückt er die zwischen ihm und der Lunge enthaltene Flüssigkeit in deren rauen Arterien, indem sich der Brustkorb stark zusammenzieht. Du sollst nicht das Wort „stark“ beiläufig hören, was im Satz dabeisteht. Wenn nämlich der Brustkorb nicht von allen Seiten die Lunge sehr stark drückt, wird die Flüssigkeit nicht von den Mündungen der Arterien aufgenommen werden. Und aus diesem Grund hat die Natur den Lebewesen, damit sie die Kraft zum Ausdrücken haben, den sogenannten „Husten“ gegeben, ein natürliches Symptom, dem Niesen, dem Schluckauf und der Übelkeit ähnlich, über die hinreichend in der Schrift Über die Ursachen der Symptome die Rede war. Da die Kranken aber Kraft brauchen, damit dieses natürliche Symptom entsteht, sterben sie nicht selten und verständlicherweise bei den eitrigen Erkrankungen, wie wenn deren Kraft vorher ermattet wäre. Denn das äußerst angespannte und schnelle Zusammenziehen des Brustkorbs bewirkt den Husten. Die schwache Kraft kann jedoch weder angespannt noch schnell ihre Funktion ausüben. Bezüglich nun des Aushustens aus der Brusthöhle ist das ausreichend. Wir wollen nun wieder zu unserem ursprünglichen Thema zurückkehren. Die Entzündungen des Rippenfells und der mit ihm zusammenhängenden Muskeln bewirken eine Krankheit, die Rippenfellentzündung genannt wird, die unabtrennbare Symptome hat: Hohes Fieber, Schmerz, wie wenn diese Gegend sich ausdehnen würde oder verwundet wäre, häufigen und kurzen Atem, schwachen Puls, der die Arterie mit einer gewissen Spannung hart macht, Husten, meistens mit farbigem Auswurf, selten auch ohne, welche man dann Rippenfellentzündungen ohne Auswurf nennt, sei es dass sie schnell töten oder dass sie nach längerer Zeit aufhören. Aber auch der Schmerz reicht bis zum Schlüsselbein oder dem Oberbauch. Andere sind die Rippenschmerzen, die mit Fieber einhergehen, bei denen der Atem notwendigerweise kurz und häufig ist, es aber keinen Auswurf gibt, sodass sie darin den Rippenfellentzündungen ohne Auswurf gleichen. Jedoch unterscheiden sie sich von diesen leicht dadurch, dass man bei ihnen überhaupt nicht hustet, so wie bei den Entzündungen ohne Auswurf der Husten trocken ist, und auch dadurch, dass der Puls weder Spannung noch überhaupt Härte hat; und darüber hinaus ist das Fieber nicht so hoch. Die Atemnot belastet sie weniger, manche empfinden auch Schmerzen, wenn man die entzündete Stelle von außen drückt. Bei diesen Krankheiten erfolgt die Reinigung nicht durch den Auswurf, weil auch bezüglich des Ursprungs (der Erkrankung) nichts von dem, was die Entzündung bewirkt, in die Brusthöhle gelangt. Wenn die Krankheit aber zum Ausbruch kommt, sammelt sich der entstandene Eiter zur Haut hin und sondert sich ab, falls er sich nicht vorher verteilt. 4. Die Grenze unterhalb des Brustkorbs nannten alle Alten „Verstand“ (Phrenes), sei es, weil es ihnen einfach so in den Sinn gekommen ist, oder weil bei Erkrankung dieses Körperteils die Kranken auch in ihrem Verstand geschädigt werden. Von Platon an begann man, ihn „Trennwand“ (Diaphragma) zu nennen: Dieser glaubte, dass die Lebewesen die „Trennwand“ bräuchten, weil sie den Teil der Seele, der für die Gefühle zuständig und im Herzen enthalten ist, von dem Teil, der in der Leber sitzt und für die Wünsche zuständig ist, abtrennt. Von da an pflegten die Ärzte ihn „Trennwand“ zu nennen und vernachlässigten die alte Bezeichnung, was sie übrigens auch beim Rückenmark getan haben. Denn auch bei Letzterem ist die Bezeichnung „Mark“ das, was der eigenen Substanz entspricht, so wie es bei dem nun vorliegenden Organ die Bezeichnung „Verstand“ ist. Bei jenem wurde nun zwecks der Unterscheidung die Bezeichnung „Rücken(-Mark)“ hinzugefügt, sowie auch die (alternativen) Bezeichnungen „das durch den Hals (gehende)“ oder „das durch den Rücken (gehende)“ oder „Psoitis“; später dann pflegten fast alle es einfach „Rückenmark“ zu nennen. In diesem Fall wiederum haben sie das Wort „Verstand“ ausgelassen und nennen es „Trennwand“.