Aber was ich immer zu sagen pflege, werde ich auch jetzt sagen. Viele Ärzte sind unfähig, die Gründe für deutlich gesehene Sachverhalte zu nennen und behaupten, dass es sie auch nicht gäbe, obwohl, wie ich sagte, alle, bei denen der Brustkorb durchbohrt wurde, das Honiggemisch, das durch die Wunde eingelassen wurde, sofort wieder aushusteten. Obwohl nicht wenige Stichwunden durch die sogenannte „vernarbende Behandlung von blutigen Wunden“ geheilt werden, haben einige Patienten in den ersten Tagen einen eitrigen Auswurf, wenn nicht das ganze Blut gut und sorgfältig aus der Wunde austritt, indem der auf diese Weise verletzte Mensch geschüttelt wird. Doch das Rippenfell ist stark und sehnig und schwer zu teilen. Und wenn du willst, füge noch zu dieser Darstellung das Lungenfell hinzu, welches dieselbe Beschaffenheit wie dieses (Rippenfell) hat. Aus diesem Grund lässt das eine nicht zu, dass sich Flüssigkeiten in die Brusthöhle ergießen, und das andere nimmt sie nicht auf. Sage nun, dass auch die Haut, die viel stärker und dicker als diese Membranen ist, niemals zulässt, dass, wenn es bei den Knochenbrüchen zur Bildung von Hornhaut kommt, der blutige Saft aus sich herausgetragen wird, den wir bei einigen in so großer Menge sehen, dass er alle Verbände durchnässt. Wenn dies aber offenbar geschieht, dann ist es nicht verwunderlich, dass ebendies auch nicht durch dünne Membranen geschieht. Es wäre besser, wenn Erasistratos sich nicht darüber gewundert hätte, sondern wenn er vielmehr jenes herausgefunden hätte: dass die Flüssigkeit nämlich, die sich zwischen Brustkorb und Lunge (ansammelt), von den rauen Arterien (Hauptbronchien) der Lunge aufgenommen wird und weder in die glatten (Arterien) noch in die Venen gelangt. Denn gemäß Erasistratos selbst erstrecken sich diese drei parallel zueinander, spalten sich zusammen auf und enden mit ihren äußersten Mündungen in der Haut, die die Lunge umgibt. Warum denn nun die Aufnahme (der Flüssigkeit) nur in einer stattfindet, obwohl diese drei Mündungen nebeneinander liegen, das hätte Erasistratos untersuchen müssen. Denn es ist besser zu untersuchen, wie die Vorgänge geschehen, als zu konstruieren, dass sie nicht geschehen. Gleichwohl scheint mir das Problem der Aufnahme der Flüssigkeit aus dem Brustkorb in die Lunge nicht schwierig und auch nicht unlösbar, da sie ja an den Enden der Luftröhre ermöglicht wird. Denn diese Enden sind nicht so eng wie die der glatten (Arterien) und der Venen, weil die Substanz der rauen Arterien (Hauptbronchien) hauptsächlich aus Knorpel besteht, der nicht zur äußersten Verengung gelangen kann, und weil die Luftröhre viel größer ist als die anderen zwei Gefäße. Da sie nun im Bereich der Lunge die gleiche Zahl von Aufspaltungen aufweisen, ist es wahrscheinlich, dass diese Art von Verzweigungen der Luftröhre immer denen der anderen zwei Organe verhältnismäßig überlegen ist. Dies zeigt sich aber auch deutlich: Auch beim Sezieren des Organs bewahren die nebeneinanderliegenden Gefäße dieselbe Analogie ihrer größenmäßigen Überlegenheit, welche die größten (Gefäße) von Anfang an hatten. Dies hätte Erasistratos sagen müssen und gleich darauf den Moment hinzufügen, in dem der Eiter aus der Brusthöhle in die Lunge aufgenommen wird, ob dies beim Einatmen, beim Ausatmen oder in der Ruhephase geschieht. Danach, nachdem er erklärt hätte, dass es weder beim Einatmen noch in der Ruhephase geschieht, hätte er anschließend sagen müssen, dass die Aufnahme beim Ausatmen stattfindet. Denn es wäre sehr leicht gewesen, auch dies zu zeigen, da er vorher gezeigt hatte, dass die Atmungsfunktion durch den Brustkorb entsteht, weil die Lunge keine eigene Bewegung hat, sondern sie sich immer, wenn sich der Brustkorb in der Folge mit dem Entleerten ausdehnt, auch ausdehnt; wenn er sich aber zusammenzieht, senkt sie sich in ihn ein, gleich den Schwämmen, die wir mit den Händen umfassen und ausdrücken.