Denn wenn die zwei Zentralorgane nicht mittels der Atmung verbunden wären, wäre es möglich, dass wir manchmal, obwohl unser oberes Zentralorgan ausgefallen ist, noch leben. Aus den Gründen nun, aus denen wir leicht die Ursache herausgefunden haben, wegen der das Herz geschädigt wird, wenn das Gehirn bei den großen Schlaganfällen erkrankt, aus eben diesen Gründen wird vielleicht jemand auf andere Weise die Ursache finden können, wegen der bei den kleineren Schlaganfällen, bei Starrsucht und Bewusstlosigkeit, bei den Epilepsien und den lethargischen Zuständen das so erkrankte Lebewesen nicht zugrunde geht. Er wird es (heraus)finden, wenn er auch dies beobachtet, wie die Kranken bei den genannten Erkrankungen atmen. Er wird nämlich sehen, dass sie erzwungen und mit Mühe (atmen), wie wenn der Brustkorb durch eine Fessel daran gehindert würde sich auszudehnen. Darüber ist aber hinreichend gesprochen worden in den Büchern Über die Bewegung der Muskeln; denn diese Frage weist Gemeinsamkeiten mit dem Vorgang beim Schlaf auf, bei dem, während sämtliche Muskelfunktionen erschlafft sind, die Funktion derjenigen Muskeln als einzige erhalten bleibt, die den Brustkorb bewegen. Jetzt aber genügt es, dass die Fragestellung so weit vorangeschritten ist, wie es für das vorliegende Thema von Nutzen war. Denn aus dem Grund, aus welchem die Menschen beim Schlaf atmen, obwohl alle anderen Muskeln ruhen, aus diesem Grund tun sie es auch bei den Schlaganfällen, sofern diese nicht sehr schwer sind, und auch bei anderen Erkrankungen, die diesen ähnlich sind. Wenn aber der Schlaganfall oder eine andere Erkrankung so schwer ist, dass auch die Funktion der Muskeln des Brustkorbs vollkommen zerstört wird, ist es notwendig, dass auch die Atmung mit zugrunde geht und infolgedessen auch die gute Mischung des Herzens; darauf folgt wiederum notwendigerweise, dass das ganze Lebewesen zugrunde geht. Auf diese Weise also stirbt das Lebewesen bei den großen Schädigungen des oberen Zentralorgans, auf eine andere Weise aber bei einer kranken Leber; denn dann stirbt es wegen der Abmagerung; deswegen halten bei derartigen Erkrankungen die Lebewesen auch länger durch. Tatsächlich sterben einige auch auf eine andere Weise infolge von Magensynkopen, von heftigen Schmerzen, von starker Angst und sehr großer Lust. Denn bei allen denjenigen, die eine schwache Lebensspannung haben und wegen mangelnder Erziehung starke seelische Leiden durchleben, lässt sich die Substanz der Seele leicht auflösen. Einige von diesen Menschen sind auch aus Gram gestorben, jedoch nicht unmittelbar, wie in den vorhergenannten (Fällen). Aber kein großmütiger Mann ist infolge von Trauer oder von stärkeren Gefühlen als die Trauer gestorben. Denn die Spannung der Seele ist bei diesen stark und die Leiden klein. 2. Eine Eigenerkrankung entsteht im Herzen oft aufgrund einer einfachen Dyskrasie, sei es einer unregelmäßigen oder einer regelmäßigen, aber auch aufgrund einer Entzündung oder einer beginnenden Rose. Das Lebewesen stirbt nämlich sofort, bevor diese Erkrankungen zunehmen. Derartigen Zuständen folgen wiederum die kardialen Synkopen, wie die Magensynkopen den (Zuständen) am Magenmund; einige nennen auch diesen „Magen“ (Stomachos). Aber auch diese entstehen offensichtlich, weil das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird. Die (krankhaften) Zustände beider Körperteile, des Magenmundes und des Herzens, entstehen gewöhnlich entweder wegen einer einzigen starken Dyskrasie oder wegen einer giftigen Flüssigkeit, manchmal auch wegen einer Rose und wegen einer Entzündung oder wegen einer anderen derartigen widernatürlichen Geschwulst. Die kleinen Dyskrasien des Herzens verändern nun den Puls gemäß ihrer jeweiligen Natur. Die Erkenntnisse darüber sind in der Abhandlung Über (die) Pulse dargelegt worden. Auf die großen Dyskrasien folgt bei den eigenen schlechten Mischungen der homoiomeren Körperteile der Tod nicht sofort, bei den organischen schlechten Mischungen aber ist der Tod plötzlich, jedoch nach vorausgehenden Zeichen; eins davon ist das auch von Hippokrates genannte: „Diejenigen, die oft und heftig und ohne sichtbare Ursache Stuhlgang haben, sterben plötzlich.“