An der ersten dieser Textstellen sagt er, dass die Nerven taube Schmerzen mit sich bringen, an der zweiten aber, dass die Muskeln taub pochen, wobei er das „taub“ nicht auf die Leiden, sondern auf die Teile zurückführt. Das Taubheitsgefühl ist aber, wie ich sagte, nicht ein eigentümliches Leiden für einen bestimmten Teil, sondern für einen Zustand, der zwar allen Körper(teile)n innewohnen (kann), aber sich nicht in allen auf wahrnehmbare Weise zeigt, sondern in all jenen Teilen allein, die (von Natur aus) die in ihnen befindlichen Leiden wahrnehmen und (die) willentlich bewegt werden (können). Aber auch zu dem, was bei den Muskeln deutlich sichtbar ist, ist seine Aussage widersprüchlich, dazu ist sie auch unpräzise formuliert: Vielleicht aber weiß er auch nicht, dass es nirgendwo im Körper Fleisch allein für sich gibt, sondern sich das Sehnige der Muskeln zum größten Teil im Bereich der Muskelköpfe oder -enden befindet, dort, wo auch die Sehnen selbst sind; dass aber all das, was sich im Zwischenraum befindet, das von allen Menschen sogenannte Fleisch ist, wobei keiner weiß, außer man seziert sorgfältig, dass Fleisch nicht allein vorkommt, sondern einige ganz leichte Fasern dabei sind, in die hinein die strangartige Gattung aufgelöst wurde. Ich bezeichne als strangartige Gattung, indem ich sie zu einer Bezeichnung zusammenfasse, sowohl die Bänder als auch die Nerven. Da diese nämlich das Fleisch durchziehen, haben wir gezeigt, dass die Substanz der Muskeln zusammengesetzt ist. Um die (Substanz) zu erhalten, waren Arterien und Venen nötig. 3. Weiterhin ist auch das schmerzlos Pochen bei den Arterien als Einzigen vorhanden, wenn das Lebewesen gesund ist. Wenn aber eine sehr große Entzündung oder eine Rose oder ein Abszess entstanden ist, nehmen wir den Puls der Arterien mit Schmerz wahr, während wir ihn zuvor, als der Körper gesund war, nicht nur nicht mit Schmerz, sondern nicht einmal ohne diesen wahrnahmen. Denn das Folgende kann passieren: Die entzündeten Teile schmerzen sehr zu diesen zwei Zeitpunkten, (nämlich,) wann immer sie bewegt werden und wann immer sie von irgendwelchen Dingen gedrückt werden. Wenn sich nun der Muskel als ganzer entzündet, nehmen wir Schmerz bei Erweiterung der Arterien auf zweifache Weise wahr, sowohl, weil sie sich bewegen, als auch, weil sie zugleich das umliegende Fleisch drücken und von ihm gedrückt werden. Dies ist die Art des Pulses an den entzündeten Teilen und diese allein bezeichnen die Ältesten als Puls, später aber nannte man auch jede wahrnehmbare Bewegung von Arterien ebenso. Doch ist das taub Pochen nicht unabtrennbar vom Muskelleiden oder überhaupt eigentümlich dafür, ja nicht einmal das Pochen überhaupt, obwohl das Wort sphygmos, wie gesagt ist, das Pochen mit Schmerz bedeutet. Denn bei den Verhärtungen und den Erkrankungen, die man speziell als Schwellungen bezeichnet, und bei schlechten Mischungen ohne Geschwulst ist die Bewegung der Arterien schmerzlos und bei den entzündlichen Leiden ist sie nicht immer mit Schmerz, sondern (nur), wann immer sie allzu groß geworden sind. Und in der Tat pocht die Arterie mit Schmerz, wenn sie auch ohne Muskel allein für sich an einem entzündlichen Leiden leidet. Ich spreche nämlich von „entzündlichem Leiden,“ damit man zusammen mit der Entzündung auch an Rosen und Abszesse denkt. Von solchen Leiden, wenn sie allzu groß geworden sind, ist das Pochen nun ein Symptom. Wenn aber bei solchen (Leiden) offensichtlich der Puls einmal taub wird, nämlich für den Kranken selbst – denn für diesen ist auch das Leiden der Taubheit wahrnehmbar –, muss man wissen, dass dann ein Zustand in den Nerven am Muskel vorliegt, wobei (die Leiden) bis zu einer Lähmung voranschreiten (können). Denn der taube Zustand liegt zwischen Lähmung und der gesunden Konstitution.