Denn das Taubheitsgefühl ist eine Art von nicht unerheblicher Kälteeinwirkung und bringt deshalb eine Wahrnehmungs- und Bewegungsstörung zu den in solchem Zustand befindlichen Körperteilen mit, wie die vollständige Kälteeinwirkung die vollständige Wahrnehmungs- und Bewegungslosigkeit mit sich bringt. Dass aber das Taubheitsgefühl eine Bezeichnung eines Zustandes und nicht einer Wahrnehmung oder eines Schmerzes ist, ist auch von Hippokrates gezeigt, als er folgendermaßen sprach: „Maßvolles Taubheitsgefühl kann nämlich Schmerz beenden.“ Denn das Taubheitsgefühl entsteht allerdings auch wegen einer Kälteeinwirkung, wie man bei denen eindeutig sehen kann, die im Winter durch (die) Kälte unterwegs sind, und bei den kühlenden Heilmitteln, bei denen, wenn einer zu viel (damit) von außen behandelt wurde, der Teil taub wird, wie er auch bei den stärksten Kälteeinwirkungen vollkommen wahrnehmungslos wird, die nicht aufgrund von Heilmitteln allein entstehen, sondern auch aufgrund der uns umgebenden Luft. Ich weiß nun jedenfalls, dass die ganzen Füße einigen so (stark) gekühlt wurden, dass sie zuerst wahrnehmungslos wurden, (dann) aber, nachdem sie abgestorben waren, in den folgenden Tagen abfaulten. Wie nun die vollkommene Kälteeinwirkung vollständige Wahrnehmungs- und Bewegungslosigkeit mit sich bringt, so bringt die gemäßigtere Kälteeinwirkung Wahrnehmungs- und Bewegungsstörung mit sich. Eine solche Kälteeinwirkung wird, wie ich sagte, als Taubheitsgefühl bezeichnet. Weiterhin bringt ein kalter und zugleich schmerzhafter Zustand den tauben Schmerz hervor, wobei die Ausdrucksweise nicht eine Verschiedenheit des Schmerzes anzeigt, wie ich sagte, sondern einen Schmerz zusammen mit entweder einem kalten Zustand oder einer von diesem in dem Teil hervorgerufenen Wahrnehmungs- und Bewegungsstörung. Wir wissen aber, dass auch in stark gedrückten Teilen ein Taubheitsgefühl entsteht und in den Teilen, die in Kontakt mit dem Lebewesen, das den Namen Zitterrochen trägt, kommen, solange er noch lebt. Und all diejenigen (Patienten), denen im Bereich einer der Gliedmaßen ein Taubheitsgefühl entsteht, haben eine schwache Wahrnehmung, wenn man sie berührt, sind nicht in der Lage sich zu bewegen und haben, wenn einer es erzwingt, Schmerzen. Ohne Bewegungsversuch nehmen sie das Leiden zwar deutlich als Taubheitsgefühl wahr, doch haben sie jedenfalls keine Schmerzen. Fälschlicherweise behauptet nun Archigenes, dass der taube Schmerz eigentümlich für die Nerven sei, denn das Taubheitsgefühl ist Kennzeichen eines Zustandes, nicht eines erkrankten Körperteils. Ferner sagt Archigenes selbst wenig später wiederum, dass das Taubheitsgefühl eigentümlich für die Muskeln sei. Die beiden Ausdrucksweisen haben folgenden Wortlaut, die erste (diesen): „Die Nerven aber werden durch Verdickung gespannt und hart. Und diese (Nerven) bringen Schmerzen mit sich, die taub sind und hart spannen.“ Die wenig später als diese genannte Textstelle ist Folgende: „Muskeln aber, ein Gemisch der Eigentümlichkeiten von Fleisch und Sehne, sicherlich auch von Arterie, erheben sich bei den Schmerzen, indem sie anschwellen, wie man sagen könnte, und sich unter einer räumlichen Erweiterung spannen und taub pochen.“