Wenn nun einer feststellen will, am wievielten Wirbel sich das Leiden befindet, entweder eines Nervenaustritts allein oder auch des Rückenmarks, soll er sich in der Anatomie der Nerven mit einer allgemeinen Methode üben, die gelähmten Muskeln zusammen mit der Haut, die die Wahrnehmungsfähigkeit verloren hat, zu untersuchen. Denn wenn das Rückenmark insgesamt an einem bestimmten Wirbel leidet, sind alle darunter liegenden Teile gelähmt. Wenn es aber an dem einen Teil geschädigt ist, während der andere unbetroffen bleibt, wird die Lähmung nur in den in gerader Richtung (abgehenden) Teilen sein. Wenn aber die Nervenwurzel leidet, werden die anderen (Teile), die unterhalb des erkrankten (Teiles) liegen, keineswegs leiden, allein jene Teile werden aber gelähmt sein, zu denen sich ein jeder der Nerven hin aufteilt. Wenn du dies nun alles genau gelernt hast, wirst du dich nicht mehr um die gelähmten Gliedmaßen kümmern und dabei die Wirbelsäule vernachlässigen, sondern wirst, wenn du zu jener gelangst, den erkrankten (Teil) vollständig heilen. So wirst du auch, wenn irgendein Nerv nicht an der Wirbelsäule, sondern an irgendwelchen hinter ihr liegenden Stellen leidet, (dies) von den Muskeln und der Haut her feststellen können. Die Haut wirst du nun leicht feststellen können, da sie (direkt) unter den Augen liegt, die Muskeln aber werden aus den verloren gegangenen Aktivitäten erkannt. Du musst also auch hinsichtlich der Anatomie der Muskeln geübt sein und erkennen, von welcher Aktivität ein jeder das Organ ist. Denn so wird es dir allein möglich sein, unterscheiden zu können, von welchen Teilen die Aktivität verloren gegangen ist, obwohl ihre körperliche Substanz an keinerlei Krankheit leidet, welchen (Teilen) aber eine Krankheit vorangeht, die (noch) entsteht oder schon entstanden ist. Du weißt aber, dass die Krankheitsgattungen und ihre Unterschiede insgesamt in einem anderen Buch beschrieben sind, das den Titel Über die Verschiedenheit der Krankheiten trägt, wie in einem anderen Über die Verschiedenheit der Symptome. Aber auch über die Ursachen von beiden ist (jeweils) gesondert geschrieben worden, in einem (Buch) jedoch Über die (Ursachen) der Krankheiten, in drei (Büchern) Über die (Ursachen) der Symptome. In diesen allen ist es angemessen, dass derjenige sich übt, der die Ursache, das Leiden und den erkrankten Körperteil leicht finden und unterscheiden will. Nach Syndromen nämlich kann man nicht alles lehren, auch wenn die Empiriker das so fordern, sondern man wird, indem man die vorangegangenen und gegenwärtigen Symptome genau kennt und zu Erfahrung durch die therapeutische Methode gelangt ist, den erkrankten (Körperteil) zusammen mit seinem Zustand finden. Und am wichtigsten ist dies bei den Teilen, die in der Tiefe des Körpers angeordnet sind, wie wir es kurz zuvor beim Verlust von Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit gezeigt haben. Vielleicht um nichts weniger muss man nun noch etwas über die (schon) entstandenen (Leiden) hinzusetzen, wie beschaffen auch diese sind. Ein Kind von ungefähr sechs Jahren begann unfreiwillig Stuhl abzugeben, da ihm plötzlich der Afterschließmuskel gelähmt war. Aber auch ein alter Mann hatte bald ein solches Symptom. Auch einem anderen Kind von ungefähr 14 Jahren widerfuhr wiederum eine unfreiwillige Ausscheidung von Exkrementen zusammen mit Schmerzen im Bereich der Blase und einem anderen (noch dazu) mit Harnverhaltung. Einem anderen ging dagegen unfreiwillig Urin ab und (noch) einem anderen sowohl dieser als auch Exkremente. Man muss also bei allen solchen (Fällen) das Vorangegangene in Erfahrung bringen. Denn im Allgemeinen geht ihnen entweder eine Kälteeinwirkung oder eine Prellung an der Wirbelsäule voraus, die Kälteeinwirkung, wenn sie den einen betroffenen Muskel allein schädigt, die Prellung aber meistens, wenn sie mehrere (schädigt). Denn es ist ganz selten, dass durch eine Prellung der Wirbelsäule ein einziger Muskel leidet, weil sich nämlich die aus dem Rückenmark heraustretenden Nerven zu vielen Muskeln hin verzweigen. Aber auch wegen einer Prellung des betroffenen Muskels selbst, wenn die hinzugekommene Entzündung bisweilen vernachlässigt wurde und einen verhärteten Zustand angenommen hatte, folgte eine Lähmung des Muskels. Auch dies ist aber selten. Die Kälteeinwirkung hingegen schädigte oft einen Muskel und besonders den an der Oberfläche am After, wenn man sich entweder auf einen kalten Stein gesetzt oder sich allzu lange in kaltem Wasser aufgehalten hatte. Das Kind jedenfalls, das an der Blase und am After geschädigt war, litt so, weil es im Fluss Fische gefangen hatte. Einigen aber, die in kaltem Wasser schwammen, passierte solches (ebenfalls). Es ist nun angemessen, dass die einen, die so litten, durch wärmende therapeutische Maßnahmen behandelt wurden, die den erkrankten Körperteilen appliziert werden, den anderen aber, bei denen ein Teil der Nerven aus dem Rückenmark litt, muss man die therapeutischen Maßnahmen an der Wirbelsäule applizieren.