Wann immer nämlich vom Magen her, indem entweder schädliche Ausdünstungen oder die Säfte selbst zum Gehirn aufsteigen, das Denken geschädigt wird, dürfte nicht einer sagen, dass das Gehirn zuerst leide und erst recht auch nicht, dass es gänzlich unbetroffen ist, sondern es ist durch das Verb „in Mitleidenschaft gezogen werden“ am wahrsten beschrieben, worüber auch bei eben jenen Konsens herrscht. Denn der Ausdruck „in Mitleidenschaft gezogen werden“ bedeutet nämlich nicht, dass es überhaupt nicht (selbst) leidet, sondern, dass es mit etwas anderem zusammen leidet. Besser und klarer aber dürfte einer das, was in Mitleidenschaft gezogen wird, als etwas bezeichnen, das auf Grundlage eines anderen (Teils) leidet. Was nun einige der Ärzte zwar schwach überlegt haben, so als träumten sie, es aber nicht klar ausgesprochen haben, weil sie es gar nicht erkannt haben, dies glaube ich zu lehren, weil es das Allernotwendigste im Hinblick auf die vorliegende Abhandlung ist, weswegen ich jetzt damit beginne. Einige Aktivitäten nehmen, weil sie aus geeignetem Stoff entstehen, ihn als von anderen Teilen vorbereiteten (Stoff) auf. Natürlich ergibt es sich nun manchmal, dass die Aktivität aus Mangel des Stoffes verloren geht, aus dem sie entsteht, auch wenn die für die Aktivität spezifischen Organe kein eigenes Leiden haben, wie es sich bei der Stimme verhält. Denn es ist in den Ausführungen über sie gezeigt, dass die starke Ausatmung zwar Stoff der Stimme ist, aber von den Interkostalmuskeln erzeugt wird, indem sich der Brustkorb zusammenzieht. Wann immer diese nun ihre Aktivität nicht mehr ausüben, wird das Lebewesen sprachlos, auch wenn bisweilen kein Leiden hinsichtlich der eigenen Teile der Stimme selbst entstanden ist. Diese (eigenen Teile der Stimme) sind zusammenfassend gesagt der gesamte Kehlkopf, wenn man (sie) aber Teil für Teil darstellt, sind es seine drei Knorpel und die sie bewegenden Muskeln zusammen mit den vom Gehirn her kommenden Nerven, dazu auch noch die Stimmritze innerhalb des Kehlkopfes, die das wichtigste Organ der Stimme ist. Denn eben diese bringt, indem sie von den Muskeln geöffnet und maßvoll zusammengeführt wird, die Laute hervor, aber diese können nicht entstehen ohne den starken, nach außen gerichteten (Atem-)Luftstrom. Dieser aber wird von den Interkostalmuskeln vollendet. Und einer, der von hoch oben heruntergefallen war, sodass der Anfang des Rückens auf der Erde aufschlug, konnte um den dritten Tag herum (nur) ganz leise Laute von sich geben, war aber am vierten vollständig stimmlos zusammen mit der Lähmung der Beine, wobei seine Arme in keiner Weise geschädigt waren, und doch war er weder ganz ohne Atmung noch litt er (überhaupt) an Atemnot. Denn weil das ganze Rückenmark unterhalb des Halses gelähmt war, war es der Fall, dass der Brustkorb vom Zwerchfell und ferner von den sechs oberen Muskeln bewegt wurde, da ja die Nerven für diese im Bereich des Halses aus dem Rückenmark treten. Die Nerven der Interkostalmuskeln hingegen waren alle betroffen, von denen gezeigt wurde, dass durch sie die starke Ausatmung entsteht. Als sich nun die Ärzte planlos einerseits den Beinen, weil sie gelähmt waren, andererseits dem Kehlkopf wegen des Stimmleidens widmen wollten, bemerkte ich den erkrankten Körperteil allein vorher, nachdem ich sie (an ihrer Behandlung) gehindert hatte, und als der Rücken nach dem siebten Tag entzündungsfrei geworden war, kehrten die Stimme und die Bewegung der Beine dem jungen Mann wieder. Eine solche Art der Stimmschädigung dürfte man also eher im eigentlichen Wortsinn als Miterkrankung bezeichnen, als wenn ein Kopfschmerz bei irgendwelchen Säften entsteht, die im Magen enthalten sind. Denn es wird bei solchen Zuständen etwas zum Kopf hinaufgebracht, nicht jedoch wird irgendeine schädigende (Substanz) bei den genannten Zuständen zu den Beinen transportiert, sondern im Gegenteil wird dem Rückenmark die Fähigkeit entzogen, die es ihnen zuvor zuführte. Dem Kehlkopf wird aber bei der Stimmlosigkeit nicht in jeder Hinsicht die Luft entzogen, denn das Lebewesen atmet durch ihn noch aus; entzogen wird ihm aber die starke Ausatmung, die der dichte Strom von viel Atemluft durch den Kehlkopf in den Bereich außerhalb des Lebewesens war. Über die Bezeichnungen also zu streiten, muss man anderen zwar erlauben, uns aber wird es genügen, über die Sachen Ausführungen zu machen, von denen jene völlig ahnungslos sind. Auf die eine Weise haben diejenigen bei den Säften im Magen Kopfschmerzen, wenn die aufsteigenden Säfte die am Kopf liegenden (Teile) offensichtlich wärmen und zugleich spannen, auf andere Weise aber erleiden sie die Trugbilder des Katarakts, obwohl weder die Augen gewärmt noch gespannt werden, sondern allein, weil eine Ausdünstung durch sie durchgeht. Zusätzlich noch auf andere Weise sieht der nicht, dessen Gang, der vom Gehirn herkommt, blockiert ist. Und diesem zwar irgendwie ähnlich, aber (doch) anders (leidet) der, der wegen der Entzündung des Rückenmarks an den Beinen gelähmt ist, auf andere Weise aber der, der die Stimme verloren hat oder dem sie geschädigt ist. Denn eine Fähigkeit ohne Substanz ist daran gehindert, zu den Beinen zu gelangen, eine mit Substanz aber zu den Augen, zum Kehlkopf aber ist die Menge des (dorthin) gelangenden Stoffes gehindert. Bei dem, der wegen der Durchbohrung der Interkostalmuskeln stimmlos geworden war, ging der Stoff der Stimme vollständig verloren. Welche Art der Lähmung auch immer für die Beine (je) nach den genannten Zuständen des Rückenmarks entsteht, dieselbe (Art) entsteht auch für den Kehlkopf, wenn die Stimmnerven durchschnitten oder durch eine Schlinge abgebunden sind.