Und als er vollständig vom Leiden befreit war, gingen die Ärzte der Frage nach, welcher Zustand der Nerven es denn nun war, in dem es geschah, dass ihre Bewegungsfähigkeit zwar gewahrt blieb, die Wahrnehmungsfähigkeit aber verloren ging. Und ich sagte das, was ich schon einigen Ärzten zuvor gesagt hatte, dass die Wahrnehmung ein passiver, die Bewegung aber ein aktiver Vorgang ist. Und deshalb benötigt der, der bewegen will, zwar Stärke, dem aber, der wahrnehmen will, genügt auch die sehr schwache Fähigkeit. Als es ihnen schien, dass die Erklärung korrekt gesagt ist, fragte ich, warum nun habt ihr nicht auch das Gegenteil einmal beobachtet, dass, obwohl die Wahrnehmungsfähigkeit erhalten geblieben war, die Bewegungsfähigkeit ausgesetzt hatte? Fast alle anderen sagten nun, dass sie dies noch nie gesehen hätten, einer aber stimmte zu und nannte den Namen des Patienten und zeigte auch Zeugen an, die dabei waren, obwohl dieses dem zu widersprechen schien, was bei den sich bewegenden Teilen, die aber nicht wahrnehmen, gesagt wurde. Denn soweit es jene Geschichte angeht, ist es völlig unmöglich, dass man, wenn die Wahrnehmung verloren gegangen ist, die Teile dann noch willentlich bewegen (kann). Wiederum baten sie mich, die Ursache beider Phänomene zu hören. Klar ist sie für die, die die Anatomie der Nerven kennen, wobei die Ursache folgende ist: Jede willentliche Bewegung entsteht durch Muskeln. Ein Nerv nämlich ist keineswegs an sich etwas, das ohne Muskel auch (nur) eine einzige derartige Aktivität in den Teilen des Lebewesens irgendwie bewirken kann, sondern er vollendet alle sogenannten willentlichen Bewegungen durch Vermittlung der Muskeln. Die Muskeln selbst aber führen in die Teile, die bewegt werden sollen, teils geradewegs, teils durch Vermittlung von Sehnen, die einige als Ausläufer der Muskeln bezeichnen. Von dieser Gattung sind auch die Sehnen, die die Finger bewegen, ebenso wie die Stränge, die von Hippokrates rund genannt werden. Wenn nun die Nerven der Muskeln leiden, verlieren die Finger ihre Bewegung. Wenn aber die (Nerven) leiden, die in die Haut führen, wird die haptische Wahrnehmung zerstört. Bei den Lähmungen ganzer Gliedmaßen, da ja ihr gemeinsamer Anfang betroffen sein dürfte, gehen beide zusammen, Bewegung und Wahrnehmung, verloren. Und den zuerst erkrankten Körperteil aus der Menge der geschädigten Nerven herauszufinden, ist allein dann möglich, wenn einer genau ihre gemeinsamen Anfänge kennt, die ich in (der Schrift) Die Sektion der Nerven durchgegangen bin, weil keiner vor mir diese ihre Anatomie genau kannte, sondern sich die einen mehr, die anderen weniger irrten. Der jedenfalls, der in den gemeinsamen Anfängen geübt ist, kann allein genau schlussfolgern, an welchem Wirbel das Rückenmark litt, entweder ganz oder der eine Teil von ihm. Manchmal nämlich ist das Leiden nur in seinem rechten Teil, wenn die andere Seite in keiner Weise leidet, oder es blieb genau andersherum dieser (Teil) unbetroffen, allein aber litt der linke. Und dementsprechend ist bald alles auf der linken Seite gelähmt, während die rechte unbetroffen bleibt, manchmal aber leiden andersherum die rechten Teile allein und sind gelähmt. Wenn das Rückenmark freilich gar nicht selbst leidet, sondern ein Austritt eines Nervs allein, folgt die Lähmung jener Teile, zu denen sich der Nerv hin aufteilt. Und in der Tat leiden bisweilen auch zwei oder drei der Austritte allein, während das Rückenmark unbetroffen bleibt. So war nämlich auch der betroffen gewesen, der an allen anderen Teilen der Hand gelähmt war, sodass er weder wahrnehmen noch sie bewegen konnte, an den Fingern allein aber über Wahrnehmungsfähigkeit verfügte. Einem anderen blieb sie nicht allein, sondern auch die Bewegungen jener Muskeln erhalten, zu denen sich der Austritt nach dem siebten Wirbel hin aufteilte. Und ein anderer war infolge eines schweren Sturzes an jenen Muskeln allein gelähmt, die aus diesem Nerv Teile erhielten. Diesem Selbigen ging auch an all jenen Stellen der Haut allein die Wahrnehmung verloren, die von dem genannten Nerv Verzweigungen erhielten.