Was ich immer ständig sage, das werde ich auch jetzt sagen. In der wissenschaftlichen Lehre genügt es nach der Nennung der Bezeichnung und seiner Bedeutung, wie der Lehrer jeweils will, anschließend voranzugehen zur Erläuterung der Sachverhalte. Ich aber habe jetzt deswegen an die Bedeutungen erinnert, weil einige, um (die Ausdrücke) zu verdrehen, das, was von den griechischen Ausdrücken klargemacht wird, und die Personen, die sie gut verwenden, tadeln. Dazu gehören auch die, die sagen, dass bei den geschädigten Aktivitäten bisweilen keineswegs die Teile leiden, weil sie noch nicht einen dauerhaften Zustand erreicht haben, wie bei den Kopfschmerzen, die wegen der im Magen enthaltenen Säfte entstehen. Denn einer, der (die Ausdrücke) etwas verändert hat, dürfte es, wenn er über die Bezeichnungen streiten will, passender darstellen, indem er sagt, dass der Kopf leide, wann immer er mit dem Magen mitleidet, dass der Kopf aber krank sei, wann immer er selbst leide. Und dass der Magen jedenfalls selbst leide, wann immer er von schädlichen Säften belastet wird, er aber krank sei, wann immer er sich infolge einer eigenen schlechten Mischung oder durch eine Entzündung oder (durch) ein Geschwür oder (durch) einen Abszess in einem widernatürlichen Zustand befindet. Wenn einer solche Fragen überhaupt auf allzu spitzfindige Art durch Untersuchung genau bestimmen wollte, wird er bald davon sprechen, dass zugleich mit der Zersetzung der Speisen auch die Aktivität der Verdauung geschädigt ist, bald, dass diese (Aktivität) zwar unbeschadet ist, jene (Speisen) aber zersetzt sind. Denn es gibt drei erste und gleichsam allgemeinste Unterschiede der Zersetzung der Speisen: eine bei den für den Magen eigentümlichen Erkrankungen, eine andere bei den schädlichen Säften, wenn sie sich in ihm sammeln, und eine dritte wegen der Beschaffenheit des Gegessenen. Die Speisen, die nun von Natur aus entweder etwas Fettiges oder Saures oder gleichsam etwas Stinkendes oder Fauliges oder überhaupt etwas leicht Zersetzbares und etwas haben, das durch die Art der Zubereitung zu einem solchen Zustand führt, da ist zwar sehr deutlich, dass sie im Magen zersetzt werden und demzufolge könnte man sagen, dass sie unverdaut (geblieben) sind. Es herrscht aber Uneinigkeit darüber, ob die Aktivität der Verdauung bei ihnen betroffen ist, wobei einige sagen, dass sie bei derartigen (Fällen) des Ausbleibens der Verdauung völlig unbetroffen sei, einige sagen aber, dass sie betroffen ist. Und so gibt es denn auch eine dritte Meinung von denen, die sagen, dass derartige (Speisen) auch nicht unverdaut sind, sondern nur nicht verdaut sind, weil das deren Meinung nach nicht dasselbe ist, etwas entweder durch Negation oder durch den von den Dialektikern sogenannten negativen Begriff klar zu machen. Gemäß dieser Überlegung, glaube ich, sprach auch Erasistratos davon, dass die Weinbeerenkerne und die Sesamsamen, wenn sie unten ganz und gar unverdaut und unverändert abgehen, keinerlei Ausbleiben der Verdauung anzeigen, die dem Lebewesen entstanden ist, sondern dass eben dies also nur nicht verdaut ist. 4. Es gehört sich nun auch nicht, bei diesen Dingen etwas zu vernachlässigen, sondern, indem man genau darauf achtet, all das, was zu einer theoretischen Fragestellung führt, als Sonderfrage beiseitezulassen, all das aber, was zum Erkennen des erkrankten Körperteiles führt, genau zu betrachten. Die Prognose zukünftiger Dinge nämlich einerseits, andererseits die angemessene Therapie schon entstandener Leiden wird uns von dort her zuteil. Deshalb ist es auch unabhängig von umstrittenen Bezeichnungen möglich, das Nützliche aus den Sachverhalten auf diese Weise zu gewinnen. Es sei nun der Fall angenommen, dass einer erzählte, dass er, nachdem er am Morgen aufgestanden war, etwas Fettiges aufgestoßen hat oder etwas Anderes wie zum Beispiel von gebratenen Eiern oder etwas (noch) übel Riechenderes und Faules. Einer, der Fettiges aufstößt, gab an nach dem Essen etwas von fettigem Fladen gegessen zu haben, wie der beschaffen ist, der mit Öl und mit Pfannkuchen aus Mehl und Honig zubereitet wurde. Ein anderer aber gab an, dass er von gebratenen Eiern gegessen hatte, wobei er bestätigte, dass er auch von eben jenen aufstoße, ein anderer aber, der von zahlreichen Rettichen gegessen hatte, sodass er übel Riechendes und Faules aufstieß. Dass nun die Speisen bei diesen (Patienten) nicht gut verdaut wurden, darin sind sich alle einig. Der Magen selbst jedenfalls leidet bei ihnen keineswegs, ist auch nicht entsprechend der ihm zukommenden Aufgabe in seiner Fähigkeit zur Aktivität gestört, wie auch nicht, wenn irgendjemand die Weinbeerenkerne unversehrt durchgehen lässt. Wenn es nämlich natürlich wäre, dass die Weinbeerenkerne sich im Magen der Menschen umwandeln, dann könnten wir den Körper des Magens selbst als Ursache angeben und glauben, dass es ihm schlecht geht. Da es aber nicht natürlich ist, sondern das Nicht-Verdaut-Werden ein Symptom der Substanz der Weinbeerenkerne ist, wird passenderweise gesagt werden, dass die Kerne zwar nicht verdaut sind, dass der Körper des Magens sich aber natürlich verhält, was für die Ärzte zu kennen und unterschieden zu haben nützlich ist. Ob man aber davon sprechen muss, dass seine Aktivität bei solchen Abgängen geschädigt ist, oder ob nicht, ist hinsichtlich der Praxis der Heilkunst eine überflüssige Untersuchung.