Bei denen jedoch, die im Darmbereich durch die Beschwerde starke Schmerzen haben, die an einem einzigen Teil fest und gleichsam durchbohrend ist, wie könnte da einer sagen, dass der Darm entweder überhaupt nicht betroffen ist oder sich das Leiden nicht in ihm selbst befindet? Und doch hören derartige Schmerzen bisweilen augenblicklich auf, nachdem irgendein glasiger Saft ausgeschieden wurde. Und tatsächlich ist auch nichts anderes als Ursache für den Schmerz anzunehmen außer dem ausgeschiedenen Saft. Denn wem der Saft ausgeschieden wurde, dem folgte sofort, dass der Schmerz aufhörte: Dann sind alle Menschen überzeugt, dass dies die Ursache des Schmerzes ist, wobei für sie eine Art Naturprinzip zugrunde liegt, das aus sich selbst heraus verlässlich zur Erkenntnis solcher Ursachen ist. Denn wenn der Saft uns berührt, entsteht dieses Leiden, wohingegen es sofort aufhört, wenn er ausgeschieden wurde: Dann sind alle Menschen überzeugt, dass dieser die Ursache ist. Auf diese Weise sind wir nun auch der Überzeugung, dass das Feuer Ursache dafür ist, dass wir brennen, und das Schwert Ursache (dafür, dass wir) schneiden, und ein jedes andere auf dieselbe Weise. Man muss nun glauben, dass auch der entleerte Saft zu der Zeit Ursache des entstehenden Leidens ist, als er in dem Teil enthalten war. Ob der Saft aber durch starkes Kühlen oder Wärmen oder überhaupt infolge einer schlechten Mischung den Körperteil belastete oder dadurch, dass zusammenhängende Körper unter seinem Zwang zur Ausscheidung durchgehen, oder wegen blähender Luft, die von dem Saft erzeugt wird, sodass das Umliegende gespannt wird, oder wegen eines gewaltsamen Verschlusses oder wegen des Zerfressens und Beißens, ist noch nicht klar aus dem Nutzen nach der Entleerung, sondern allein, dass der Saft den Schmerz hervorrief, solange er enthalten war. Nicht nur muss man nun glauben, dass ein solcher Saft Ursache der Schmerzen ist, sondern auch, dass der Teil, in dem er sich befand, zu jener Zeit litt, zu der er wegen des Saftes schmerzte. So jedenfalls sprechen wir davon, dass der Teil auch wegen einer Sache leidet, die von außen hinzukommt, entweder wegen etwas Wärmendem, wie dem Feuer, oder wegen etwas Kühlendem, wie dem Schnee, oder wegen etwas Drückendem, wie dem Stein. Da hört das Leiden sofort auf, wenn es entfernt wird, wobei keiner deswegen sagen wird, dass er nicht gelitten habe, (nur) weil kein (dauerhafter) Zustand im Teil zurückgeblieben ist. Weil wir nun immer auf diese Weise das Substantiv „Leiden“ und das Verb „leiden“ benutzen wollen, achte auf meine zukünftigen Ausführungen und betrachte den darin liegenden Nutzen für die Prognosen und die Behandlungen. Bisweilen nämlich entsteht das Leiden wegen irgendeiner Ursache, hat aber tatsächlich noch keinen dauerhaften Zustand erreicht, wenn die Ursache abgetrennt wurde. Bisweilen aber ist es schon entstanden oder entsteht noch. Oft aber bricht es zwar in seiner Entwicklung ab, wenn die Ursache verschwindet, der Zustand ist aber schon dauerhaft. Wie zum Beispiel bei der Ruhr der beißende Saft Ursache des Leidens ist, indem er anfangs den Darm abwäscht und abschabt, mit der Zeit aber Geschwüre bildet. Wenn er nun, bevor sich die Geschwüre bilden, aufhört durchzugehen, ist das Leiden noch keine Ruhr, wenn aber der Darm zuvor Geschwüre gebildet hat, hört das entstandene Leiden wohl nicht mehr zusammen mit dem (Abgang des) Saft(es) auf, wobei das Argument des allmählichen Zuwachses uns keineswegs bei den gegenwärtigen (Betrachtungen) in Schwierigkeiten bringt, das sie auch Anhäufung nennen. Denn die daraus entstehende Ausweglosigkeit ist vielen Lebensbereichen gemein(sam), worüber von den Philosophen und Ärzten vor mir gesprochen ist und worüber Beweise geführt sind. Deshalb ist es auch für mich überflüssig, an sie zu erinnern, zumal ich die Ausweglosigkeit auch in diesem Teil der Kunst selbst aufzeigen kann. Dass nämlich die Leiden in einem bestimmten Zeitraum entstehen, ist allgemein anerkannt: Wenn aber, wie das Haus in der Zeit, in der es entsteht, noch nicht ein Haus ist, weil dieses (erst) als Ganzes ein Haus wird, auf dieselbe Weise ist eine jede der Krankheiten in der Zeit einer Untersuchung wert, in der sie entsteht, als eine, die zwar noch entsteht, aber noch nicht ist. Denn auch die Natur ist nicht bei allen Dingen, die entstehen, dieselbe, sondern all das, was homoiomer ist und keine zusammengewachsene Form hat, dessen Wesen ist sofort von Anfang an dasselbe, von den Teilen aber, die entweder vielfältig in ihrer Form oder anhomoiomer sind, da kann das Wesen später als die Entstehung sein. Denn nicht zugleich entstehen das Fundament des Hauses, die Wände, das Dach, die Ziegel und die Türen und Fenster, aus denen, wenn alles auf diese Weise zusammengefügt und zu einer Form zusammengeführt wurde, das Wesen des Hauses zusammengesetzt ist. Die warme Krankheit aber jedenfalls und die kalte und die feuchte und die trockene haben sofort von Beginn an die mit sich selbst selbe Natur, sobald der Körper die gesunden Grenzen der Mischung überschreitet.