Es ist zuvor (schon) gesagt worden, dass man auch durch die Natur der Ausscheidungen Rückschlüsse auf den erkrankten Körperteil ziehen muss. Dass man dieses auf zweifache Weise tun muss, ist klar, entweder durch die Eigentümlichkeit der ausgeschiedenen Substanz oder aufgrund der in ihm enthaltenen Substanzen. Es ist (schon) gesagt, dass man auch aus den Zuwächsen bisweilen bestimmte Rückschlüsse auf den erkrankten Körperteil ziehen kann. Möglich ist auch dies aus der Gattung der Symptome, weil sie einen sehr großen Unterschied zueinander aufweisen, worüber nachher gesprochen werden wird. 3. Jetzt aber wollen wir unseren Gedankengang erneut zum Anfang zurückführen, indem wir an jedem Teil Zeichen zu finden trachten, die zum einen die Leiden, die gleichsam seine eigene Substanz betreffen, zum anderen die (Leiden), die ihn als Organ betreffen, deutlich machen. Bei beiden wollen wir erneut abgrenzen und unterscheiden von den schon entstandenen Leiden diejenigen, die noch entstehen, aber keine dauerhafte Verfassung haben, von den Ursachen aber, die im erkrankten Körperteil enthalten sind, diejenigen, für die er allein einen Durchgangsort darstellt. Es ist klar, dass es auch irgendwelche zusammengesetzten Arten der Genannten geben wird. Wir wollen aber auch die Leiden abgrenzen, die durch Miterkrankung eines anderen Teils entstehen, von denen, die durch Eigenerkrankung entstehen. Es ist nämlich passender von Eigenerkrankung zu reden, nicht, wie die Ärzte es gewohnt sind, von Ersterkrankung, weil die Miterkrankung der Eigenerkrankung gegenübergestellt ist. Weil wir nun Bezeichnungen im eigentlichen Wortsinn verwenden wollen, werden wir sagen, dass der Ersterkrankung die Zweit- oder Nacherkrankung gegenübergestellt ist, die Eigenerkrankung aber der Miterkrankung. Oft kann es auch zusammen vorkommen, dass derselbe Körperteil durch Mit- und durch Eigenerkrankung schon krank ist, wann immer dem in Mitleidenschaft gezogenen Körperteil ein dauerhafter (krankhafter) Zustand entstanden ist. Denn dann werden wir es jedenfalls nicht als Ersterkrankung bezeichnen, sondern als Zweiterkrankung und zugleich als Eigenerkrankung. Dies zeigt sich klar, besonders bei außen liegenden Erkrankungen, wie zum Beispiel, wann immer bei einem Geschwür, nachdem eine Drüse in einem zur Fülle neigenden Körper angeschwollen ist, das Geschwür zwar zu einer Narbe gebracht wurde, die Drüse aber (angeschwollen) bleibt, weil sie sich entweder zu einer eitrigen Entzündung oder zu einem verhärteten Zustand hin umgewandelt hat, den sie als skrofulöse Schwellung bezeichnen. Es dürfte nämlich keiner behaupten, dass solche Krankheiten aufgrund von Ersterkrankung entstehen, da ja ein anderes Leiden vorangegangen ist, unter dessen Einfluss sie gebildet wurden. Da sie freilich durch Miterkrankung entstanden sind, dürfte man sagen, dass sie sich zu einer solchen Eigenerkrankung hin verändert haben, so als ob ihnen von Beginn an auch irgendeine Ersterkrankung zugefallen wäre. Wir wollen uns mit Blick auf das gegenwärtige Thema sinnvollerweise auch an das erinnern, was in der Abhandlung Über die ärztlichen Fachausdrücke gesagt ist, wo die Rede von Bedeutungen war, die nicht wenige der jüngeren Ärzte und Philosophen auf schlimme Weise durcheinanderbringen. Denn die Verwendung des Ausdrucks „Leiden,“ die dem eigentlichen Wortsinn am meisten entspricht, ist die, die dem Begriff der „Aktivität“ entgegengesetzt ist. Man spricht von „Aktivität ausüben,“ wenn der Körperteil eine Bewegung aus sich selbst heraus besitzt, von „leiden“ aber, wenn er eine Bewegung von einem anderen Körperteil erhält. Nun gibt es zweierlei Gattungen von Bewegung, (nämlich qualitative) Veränderung und räumliche Bewegung; und wann immer die Veränderung zu einem dauerhaften Zustand führt, wird ein (solcher) Zustand, der offensichtlich widernatürlich ist, Krankheit genannt. Falsch verwendet bezeichnen sie bisweilen auch einen solchen Zustand als Leiden. Daher wird man, wenn man der Ausdrucksweise der Griechen folgt, eher davon sprechen, dass die Teile leiden, als ob ihre Bewegungen widernatürlich seien, wie man für den Fall, dass sie widernatürliche Zustände haben, eher „krank sein“ als „leiden“ sagen wird, wenn man im eigentlichen Wortsinn spricht, wenn man den Ausdruck aber falsch verwendet, wird man nicht nur „krank sein“, sondern auch „leiden“ sagen.