Denn auch wenn sie wegen ihrer Kleinheit oft sowohl unserem Erkennen als auch der Wahrnehmung der Kranken entgeht, hat sie aber doch eine spezifische Art. So ist auch die Entzündung, da es ein sehr großer oder sehr kleiner Teil des Lebewesens sein könnte, ein und dasselbe Leiden, das nicht durch einen Unterschied in der Form, sondern in der Größe verändert ist. Dass nämlich Einwirkungen bei den Körpern auftreten können, die wegen ihrer Kleinheit noch nicht zu sehen sind, dafür ist der Tropfen ein Beweis, der den Stein in längerer Zeit aushöhlt, bei dem die Überzeugung herrscht, dass auch diese Redensart korrekt gesagt wurde: „Einen Stein höhlt ein Wassertropfen durch Stetigkeit aus.“ Und in der Tat hält man weder die Höhlung von einem oder zweien oder dreien oder vier Einschlägen des Wassers, die auf den Stein fallen, wo nicht gar von hundert, für wahrnehmbar, noch ist es möglich, dass, wenn der erste Tropfen nichts bewirkt hat, dass der zweite dann etwas bewirkt: Denn er wird dieselbe Wirkung auf den Stein haben, die der erste hatte. Es muss sich also, wenn der zweite Tropfen etwas am Stein bewirkt, im Vergleich zu dem früheren (Stein) etwas verändert haben, sodass er nicht mehr überall von der Art geblieben sein kann, von der er von Beginn an war. Denn wenn er selbst in jeder Hinsicht derselbe bliebe und der Wassertropfen etwas an ihm bewirkte, muss er, wie beim ersten Einschlag so auch beim zweiten unbetroffen bleiben, wenn aber das, dann auch beim dritten. Denn er hat (immer) dieselbe Wirkung. So auch beim vierten und fünften und bei allen folgenden. Solange dieselbe Ursache nämlich dem Stein zufällt, der sich so verhält, wird nichts Weiteres bewirkt. Wenn sich aber nach tausend Einschlägen die Höhlung als wahrnehmbar erweist, muss man sagen, dass jeder einzelne Einschlag den tausendsten Teil der Höhlung, also des Leidens, das sich im Stein zuerst wahrnehmbar zeigte, hervorgebracht hat. Und also auch bei den Ursachen, die auf den Körper Wirkung haben, ist die Art des Leidens zwar von Anfang an dieselbe, sie ist aber unsichtbar wegen ihrer Kleinheit. Derartig kleine Leiden aber hören sofort auf, wenn die sie hervorrufende Ursache abgetrennt wurde, weil die Natur sie heilt. Denn es bedürfen allein jene der Hilfe von außen, bei denen die Natur wegen ihrer Größe nicht in der Lage ist, sie in den Griff zu bekommen. Daher ist nach dieser Auffassung, wann immer der beißende Saft zuerst etwas von den Därmen abschabt, wenn sich auch das entstandene Leiden noch nicht zeigt, der Zustand vielmehr in der Art der Ruhr. Wie nun die Natur Geschwüre oft, wenn sie klein sind, ohne jegliches Heilmittel heilt, so (heilt sie) auch die abgeschabten Fetzen der Därme. Gemäß dieser Auffassung ist es nun auch nicht ganz richtig, was einige behaupten, dass bei solchen Symptomen keinerlei Leiden der Körper(teile) zurückbleibt. Wenn das wahr wäre, hätten die Därme jedes Mal (nur) dann gelitten, wenn nennenswerter Schmerz dadurch entstanden war, dass die Därme aufgrund der Schärfe des Stuhls arrodiert wurden. Wir wollen dies aber beachten, gleichsam als ein Element in der ganzen nachfolgenden Argumentation, und Ausgangspunkt der Methode, den erkrankten Körperteil zu finden, soll (Folgendes) sein: Niemals könne irgendeine Aktivität geschädigt sein, ohne dass der sie hervorbringende Teil (ebenfalls) betroffen sei. Denn auch wenn sich ein Schmerz in ihm befindet, ist er auf jeden Fall irgendwie betroffen, auch wenn (sich) eine widernatürliche Geschwulst (in ihm befindet), in noch höherem Maße aber, wenn seine Aktivität geschädigt ist.