Nun denn, es sei angenommen, dass der Patient ein Kind ist, bei ihm aber zuvor die Zeichen für den Stein aufgetreten sind: wässriger Urin, sandige Ablagerungen darin, wobei sein Glied ständig juckte und ohne Grund erschlaffte oder steif wurde, dass es dann aber plötzlich den Harn verhielt. Bei diesem dürfte man wohl nicht ohne Grund vermuten, dass der Stein in den Blasenhals geglitten ist. Wenn du das Kind nun auf den Rücken legst und dafür sorgst, dass die Beine um vieles höher als der übrige Körper sind, wirst du es auf vielfältige Art schütteln, womit du zu erreichen versuchst, dass der Stein aus dem Gang herausfällt. Wenn du dies getan hast, fordere das Kind auf, sich zu bemühen, Harn zu lassen: Und wenn die Aufgabe vonstattengeht und der Urin ausgeschieden worden ist, wirst du davon überzeugt sein, zugleich eine genaue Kenntnis der Ursache erlangt zu haben und in der Behandlung erfolgreich gewesen zu sein, bleibt die Harnverhaltung aber noch bestehen, wirst du beim zweiten Mal heftiger schütteln, wenn sie aber trotz des Schüttelns auch jetzt noch bestehen bleibt, wirst du mithilfe des sogenannten Katheters zum einen den Stein aus dem Blasenhals wegstoßen, zum anderen den Urin ableiten. Wenn aber die Zeichen für den Stein der Harnverhaltung nicht vorangegangen zu sein scheinen, dafür aber eine Ausscheidung von Blut, ist es wahrscheinlich, dass ein Blutgerinnsel vorhanden ist, das die Harnröhre verstopft. Es ist aber auch möglich, dass bei einer Verletzung der Blase zwar keine Ausscheidung von Blut vorangeht, sich aber allmählich ein Blutgerinnsel bildet. Es ist aber auch möglich, dass Blut, das aus den Nieren durch die Harnleiter in die Blase geflossen ist, das Gerinnsel bildet. Aber auch bei solchen Vermutungen ist der Katheter hilfreich, wie auch, wenn man vermutet, dass Eiter oder ein dicker und klebriger Saft den Gang eingenommen hat. Zu einer solchen Vermutung werden wir durch die Kenntnis der vorangegangenen Symptome gelangen: Denn wenn ein Leiden entweder im Bereich der Blase oder der Nieren vorangegangen ist, sodass wir aufgrund dessen erwarten können, dass sich so viel und derartiger Eiter angesammelt hat, von dem es bei seiner Quantität und Qualität wahrscheinlich ist, dass der Gang verstopft wurde, dann werden wir vermuten, dass es möglich ist, dass wegen dieser Ursache der Urin verhalten wurde, oder wenn auch oberhalb der Nieren ein Abszess im Bereich eines anderen Teils vorangegangen ist, durch dessen Aufbrechen es wahrscheinlich ist, dass der Eiter in die Nieren gelangte. Wenn nichts Derartiges vorangegangen ist, werden wir die Lebensweise prüfen, ob sie durch viele Nahrungsmittel, die dicke oder klebrige Säfte bilden, träge ist. So werden wir aber, wenn wir auch glauben, dass eine Fleischwucherung, die sich wegen eines Geschwürs gebildet hat, den Blasenhals verstopft, dies sowohl aus den dem Geschwür vorangegangenen Zeichen erschließen als auch daraus, dass bei Anwendung des Katheters Urin entleert wurde. Und ich weiß, dass auch ein solches Leiden manchmal auftritt: Beim Einführen des Katheters hatte der Patient nun also im Bereich jenes Teils des Ganges Schmerzen, wo sich auch zuvor, wie wir geschlussfolgert hatten, das Geschwür befand, als die Fleischwucherung aber vom Katheter gequetscht wurde, folgten nach der Ausscheidung des Urins etwas Blut und Fleischstückchen. Diese Dinge sind nun von mir dargestellt worden, weil sie für die vorliegende Abhandlung eigentümlich sind, und es wurde schon klar, dass die kurz zuvor erwähnte Frage nur theoretisch ist, weil sie uns für die Aufgaben der Heilkunst nichts nützt. Denn der Nutzen dafür besteht darin, zu erkennen, dass der Gang von einem Gerinnsel verstopft ist, wenn es sich so verhalten hat, oder von einem Stein; die Tatsache aber, ob man davon sprechen muss, dass das Geschehen ein Leiden des Ganges ist oder sich die Ursache der Harnverhaltung in dem Gang befindet, gehört zu den Dingen, die für die Heilkunst nutzlos sind. Ich weiß nicht, wie Archigenes mit solchen Betrachtungen seine Zeit verbringt und dabei so undeutlich über die Sachverhalte schreibt, dass keiner es versteht.