1. Als Orte bezeichnen nicht nur die jüngeren, sondern auch nicht wenige von den alten Ärzten die Teile des Körpers und sie bemühen sich die an ihnen auftretenden Leiden zu erkennen, weil es der Fall ist, dass sich auch die Behandlung je nach ihren Unterschieden verändert. Wie groß nun der für die jeweilige Heilung aus einer solchen Kenntnis gewonnene Nutzen ist, das wird in der Abhandlung Die therapeutische Methode dargelegt, jetzt aber ist es allein unser Anliegen zu untersuchen, wie man die leidenden Teile erkennen könnte. Die Gegebenheiten der Oberfläche bieten sich nun zwar zusammen mit den Erscheinungsformen der Leiden ohne Weiteres den Wahrnehmungen dar; alles, was aber in der Tiefe verborgen ist, bedarf eines Mannes, der mit seinem Denken in den Aktivitäten und dem jeweiligen Nutzen der Teile geübt ist, ganz besonders aber auch in der diesen Sachverhalten vorangehenden Sektion, die uns sowohl viele andere Dinge als auch die Eigentümlichkeit der Substanz eines jeden Teiles lehrte. Es gibt nun jedenfalls einen irgendwie knorpeligen Körper im Bereich der rauen Arterien, den man bronchion  nennt, dessen Eigentümlichkeit zu kennen allein denjenigen gegeben ist, die ihn (schon) gesehen haben. Wenn nun dieser einmal mit Husten ausgeworfen wird, schlussfolgern wir (daraus), dass ein sehr großes Geschwür infolge von Arrosion oder Fäulnis in der Lunge vorhanden ist. Denn es gibt zwar auch im ganzen Halsbereich im Zwischenraum zwischen Kehlkopf und Lunge eine solche Art von Körper; aber es ist nicht möglich, dass dort ein so großes Geschwür entsteht; zuvor würde das Lebewesen nämlich sterben. In der Lunge aber ist es möglich, da das Organ ja wegen seiner Feuchtigkeit leicht faulen, von schlechten Säften rasch zerfressen werden kann und die Bronchialknorpel in ihr klein sind. Denn es ist gar nicht möglich, dass ein Teil von ihnen abfault, vielmehr muss der Bronchialknorpel als Ganzes hinaufgebracht werden, wenn sich die membranartigen Bänder, die ihn mit den zusammenhängenden Partien verbinden, aufgelöst haben, die viel früher als die Bronchialknorpel selbst leiden. Denn die einen sind knorpelig, hart und dick, die sie verbindenden Häute aber dünn und schwach. Und tatsächlich haben wir auch gesehen, dass ein nicht kleiner Teil eines Gefäßes ausgehustet wurde, wobei auch dies für die in der Sektion Erfahrenen ein deutliches Zeichen ist, dass er aus der Lunge stammt. Denn die Gefäße im Bereich der Luftröhre im Hals sind alle haarartig, sodass nicht allein die Eigentümlichkeit der Substanz, sondern auch die Größe oft nicht undeutlich anzeigt, von welcher Beschaffenheit der erkrankte Körperteil ist. So dürfte nun wohl jemand, wenn er bei der Ruhr sieht, dass die Wand eines Darms abgegangen ist, die sowohl in der Dicke als auch in der Breite größer ist als die (Wände) im Dünndarm, nicht grundlos schlussfolgern, dass das Geschwür im Dickdarm vorliegt.