<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:py="http://codespeak.net/lxml/objectify/pytype" py:pytype="TREE"><text xml:lang="deu"><body><div type="translation" xml:lang="deu" n="urn:cts:greekLit:tlg0003.tlg001.1st1K-ger4"><div type="textpart" subtype="book" xml:base="cts:urn:tlg0003.tlg001.1st1K-ger4" n="2"><div type="textpart" subtype="chapter" xml:base="cts:urn:tlg0003.tlg001.1st1K-ger4:2" n="39"><div type="textpart" subtype="section" xml:base="cts:urn:tlg0003.tlg001.1st1K-ger4:2.39" n="1"><p>Wir unterscheiden uns auch in Anschauung und Betreiben des Krieges von unseren Gegnern. Darin nämlich daß wir unsere Stadt als allen gemeinsam betrachten. Und nie geschieht es daß wir durch Ausweisung eines Fremden irgend jemanden von etwas Wissens- oder Sehenswertem abhalten, weil etwa dadurch daß man es nicht geheim hält irgend einer unserer

<pb/> Feinde daraus Nutzen ziehen könne. Wir vertrauen nicht so sehr auf Vorkehrungen und Täuschungen als auf den in uns lebenden Mut und Glauben für alle unsere Werke. Und während jene schon von Kindesbeinen an, kaum entwickelt, in wahrhaft asketischen Übungen mannhaftes Wesen zu erwerben trachten, so gehen wir, wiewohl wir ungebundener leben, darum mit nicht geringerem Mut den gleichen Gefahren entgegen.</p></div><div type="textpart" subtype="section" xml:base="cts:urn:tlg0003.tlg001.1st1K-ger4:2.39" n="2"><p>Beweis ist daß die Lakedaimonier nicht auf sich selbst vertrauend sondern mit allerlei Völkern gemeinsam unser Land bekriegen. Wenn aber wir den Krieg in fremdes Land tragen, so wird uns im Kampf selbst mit denen die Haus und Hof zu verteidigen haben meist unschwer der Sieg.</p></div><div type="textpart" subtype="section" xml:base="cts:urn:tlg0003.tlg001.1st1K-ger4:2.39" n="3"><p>Auf unsere vereinte Macht stieß kein Feind jemals, weil wir mit dem Heer zugleich unsere Flotte halten und unsere Landmacht an vielen Punkten zugleich Verwendung findet. Wenn sie aber mit irgend einem Teile irgendwo zusammen treffen und geringfügige Kräfte von uns übermannen, prahlen sie, sie hätten unsere Gesamtmacht geschlagen, und wenn sie unterliegen, sie seien unserer gesamten Macht unterlegen.</p></div><div type="textpart" subtype="section" xml:base="cts:urn:tlg0003.tlg001.1st1K-ger4:2.39" n="4"><p>Sei’s also drum, daß wir mehr aus Leichtblütigkeit als durch mühevolle Übungen und weniger infolge strenger Gesetze als infolge männlicher Grundsätze den Gefahren des Krieges gewachsen sind: es kommt uns zugute, zukünftiger Leiden wegen nicht im voraus uns zu sorgen und wenn sie da sind uns nicht mutloser als ewig sich Abmarternde zu erzeigen. —


</p></div></div></div></div></body></text></TEI>