„Solche Uebung nun ist uns von den Vätern her überliefert; was wir aber stets mit Nutzen geübt haben, dürfen wir nicht aufgeben, und ebenso wenig wollen wir uns hinreißen lassen, in der kurzen Zeitspanne eines Tages über viele Menshcenleben, viel Güter, Städte und kostbare Ehre Beschluß zu fassen, sondern in Ruhe der Ueberlegung pflegen. Ihr, die ihr so mächtig seid, dürft das schon eher thun, als Andere. An die Athener aber schickt Gesandte wegen Potidäa'S und auch wegen der Beschwerdepunkte der Bundesgenossen. Sie selbst erklären sich ja bereit, die Sache vor ein Schiedsgericht zu bringen, und wer selbst den Rechtsweg in Vorschlag bringt, den darf man nicht ohne Weiteres als einen Rechtsverletzer bekriegen. Gleich­ u. dgl. Gemüthtbeengungen solcher Art in dieser Weise aufzufassen, fiel einem Hellenen damaliger Zeit nicht ein, noch viel weniger, sie in solcher Breite dar, zustellen. In LessingS Briefen mag man die bezeichnende Stelle hierüber auf» fuchen. Zwar hat dergleichen auch eine gute Seite und ist einer der stärksten Beweise der „Vertiefung der Empfindung", welche die Neueren vor den Antiken allerdings voraushaben, und offene, zumal kunstvolle Darstellung dieser tieferen Empfindung kann schließlich auch nur zum Guten führen; aber man muß sich auch vergegenwärtigen, welche ungeheure Gefahr für daS zeitliche Bestehen der Nation heraufbeschworen wird, wenn die Nation durch ihre Dichter und Schriftsteller angeleitet würde, sich in ihrer Empfindung solcher Weichheit hinzugeben, zumal wenn sie von Nationen umgeben ist, welchen man diese Schwäche nicht vorwerfen kann. — Jeder Bürger damaliger hellenischer Städte hatte sich zu vergegenwärtigen, daß zu aller Zeit seine Vaterstadt feindlichen Angriffen ausgesetzt sei, und er selber Tag um Tag bereit sein müsse, für dieselbe zu fechten und fechtend entweder zu sterben oder zu siegen; denn im Fall seine Stadt genommen wurde, mußte er Weib und Kind in die Sklaverei führen sehen und sich wehrlos vom Feinde abschlachten lassen; und nebenbei harte er sich noch vorzusehen, daß die ganze politische Partei, welcher er innerhalb seiner Vaterstadt angehörte, von ihrer Gegenpartei nicht um Hab und Gut und Heimat oder auch uin'6 Leben gebracht werde, — Gründe genug, um allzuweiche Empfindung nicht aufkommen und sie bei einem Andern verächtlich erscheinen zu lassen. Unter solchen Umständen wird auch auf Wissen und Bildung kein falscher Werth gelegt. Daß aber trotzdem großer Werth darauf gelegt, und zur Förderung von Kunst und Wissenschaft von den damaligen Hellenen so viel gethan wurde, zeigt eben die Größe des hellenischen Geistes, dessen Tapferkeit durch seine Empfindung, sowie durch Liebe zum Schönen und zum Wissen gar kein Eintrag geschah. — In unserer Stelle weist der Spartaner die Eitelkeit der bereits etwas Überfeinerren Korinther zurück. — „DeS Thukydides würdig ist der Gedanke, daß es nur Einen tüchtigen Pädagogen gibt: das (herbe) Schicksal." (Kr.) 6* zeitig aber rüstet zum Krieg; denn auf diese Weise werdet ihr für euch selbst das Beste beschließen und zugleich dem Feinde am meisten furchtbar sein.- So redete Archidamos. Zuletzt aber kam Stheuelaides, damals einer ihrer Cphoren '^), und ließ sich vor den Lakedämoniern so hören: