<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:py="http://codespeak.net/lxml/objectify/pytype" py:pytype="TREE"><text><body><div type="translation" xml:lang="deu" n="urn:cts:greekLit:tlg0003.tlg001.1st1K-ger2"><div type="textpart" subtype="book" xml:base="urn:cts:greekLit:tlg0003.tlg001.1st1K-ger2" n="1"><div type="textpart" subtype="chapter" xml:base="urn:cts:greekLit:tlg0003.tlg001.1st1K-ger2:1" n="84"><p>„Der Langsamkeit und des Zauderns, was man am meisten <lb/> an uns tadelt, habt ihr euch nicht zu schämen; denn wenn ihr euch <lb/> jetzt beeilen wolltet, so würde das Ende um so mehr verzögert werden, <lb/> weil ihr unvorbereitet an's Werk ginget. Wir sind Bürger eines.freien <lb/> und in aller Weise wohlberühmten Staates, und mehr als jeden <lb/> andern verdient jenes Verfahren den Namen wohlbedächtiger Klugheit. <note type="footnote"> 128) Die"BunbeSgenosie„i der Lakedämonier zahlten nämlich keine Steuern<lb/> an diese. — Vgl..Anin 2.</note> <note type="footnote"> ThukydibeS I. </note> <note type="footnote"> 6 </note> <lb/> <pb n="82"/> Denn darin allein liegt der Grund, weshalb wir im Glück nicht den <lb/> Uebermuth aufkommen lassen und im Unglück weniger als Andere uns <lb/> beugen: Und wenn man uns durch Lobsprüche zu nachteiligen <lb/> Unternehmungen anzuspornen sucht, so lassen wir unS durch den Kitzel des <lb/> Lobes nicht gegen unsere bessere Einsicht hinreißen, und wenn unS <lb/> Einer durch Tadel aufstacheln wollte, so würden wir unS weder erzürnen, <lb/> noch auch nachgeben. Wir sind kriegerisch und wohlberathen zugleich, <lb/> weil wir uns schöner Disciplin fügen '29); das eine, weil Ehrgefühl <lb/> der Bedachtsamkeit nahe steht, und dem Ehrgefühl die Tapferkeit; <lb/> wohlberathen aber sind wir, weil wir zu wenig gelehrt erzogen <lb/> werden, um die Gesetzt zu verachten, und zu rauh und bescheiden, um <lb/> unS ihnen nicht zu unterwerfen Wir verstehen zu wenig von <lb/> unnützen Dingen, um die kriegerischen Anstalten unserer Gegner in <lb/> schönen Redensarten zu tadeln und dann doch in der That hinter ihnen <lb/> zurückzubleiben'2'), sondern wir glauben, daß die Klugheit des <lb/> Feindes der unseren wohl gewachsen ist, und daß sich die Glücksfälle nicht <lb/> mit Worten abmachen lassen. In unserer wirklichen Ausrüstung <lb/> handeln wir immer so, als ob unsere Gegner sehr wohl berathen seien; <lb/> und man darf auch nicht seine Hoffnungen auf künftige Fehler des <lb/> Feindes bauen, sondern auf seine eigene treffliche Vorficht. Auch <lb/> soll man nicht glauben, daß sich ein Mensch vom andern viel <lb/> unterscheide, sondern daß der zum Tüchtigsten werde, der durch den härtesten <lb/> Zwang der Verhältnisse geschult ist 122).« <note type="footnote"> 129) Der Gedankengang ist: Aus der besonnenen Haltung entsprießt das<lb/> ihr verwandte Ehrgefühl, aus dem Ehrgefühl der Muth. (Kr.) Hierin liegt<lb/> der Werth militärischer Erziehung. </note> <note type="footnote"> 130) Hierin liegt eine Zurückweisung der den Spartanern in Kap. 68<lb/> vorgeworfenen Unbildung und Unwissenheit tHeilmann). — Daß dort die<lb/> Unwissenheit auf die auswärtigen Angelegenheiten bezogen wird, spricht nicht gegen<lb/> diese Erklärung (Kr.). </note> <note type="footnote"> 131) Ein Hieb auf die in der Rede sehr gewandten Korinther (Kr.). </note> <note type="footnote"> 132) D&gt; h. wer die herbe Schule der Erfahrung durchgemacht hat. Me, <lb/> nander sagt: „ <foreign xml:lang="grc">ό μή δαρείς άνσρωπος ού παιδεύεται</foreign>" b. h. „der nicht- <lb/> geschundene Mensch wird nicht erzogen" (worin — nebenbei gesagt auch der<lb/> Werth der Ruthe für die Kindererziehung liegt, weßhalb sie denn auch Sirach<lb/> und andere Weise mit Recht empfehlen). Goethe setzt diesen Spruch Menan«<lb/> dert alt Motto einem Abschnitt von „Wahrheit und Dichtung" vor, meint <lb/> oder -- seiner weicheren Art nach — die Herzentbedrängnisse durch Liebe </note> </p><pb n="83"/></div></div></div></body></text></TEI>