Und dafür trifft die Verantwortung euch, denn ihr habt sie nach dem persischen Kriege zuerst ihre Stadt befestigen und dann die langen Mauern aufführen lassen, und so habt ihr bis auf den heutigen Tag nicht nur die jenen Unterworfenen ihrer Freiheit beraubt gehalten, sondern sogar auch eure eigenen Bundesgenossen: denn nicht 113) ES wird den Spartanern zuerst geschmeichelt, um dann Vorwürfe darauf setzen zu können, welche jene eben so wenig > treffen, wie ihnen das Lob gebührt. Aber geredet muß werden. Die Spartaner wollten ja den Krieg, wie sich aus der Abstimmung ergibt, und das Ganze sieht so auS, wie wenn sich Einer bitten läßt, das zu thun, was er thun will und muß. Nur eine kleine Partei (Kap, 87) war sürerst noch gegen den Krieg, und deren Vertreter, alS welcher König ArchidamoS Kap. 80 — 85 spricht, nimmt denn auch die Vorwürfe der Korinther auf und beantwortet sie. — Eure Rechtlichkeit. Die Spartaner spielten gern die Einfachen und Redlichen, waS denen sehr leicht wird, welche das Heft in der-Hand haben, auch sonst.wissen, was sie wollen, und. ihre Leute tranen. 114) Die Aegineten. 5* der, welcher knechtet, sondern der, welcher dem wehren könnte und es unterläßt, wird mit mehr Recht als der eigentliche Thäter betrachtet, zumal wenn er den Ehrennamen des Befreiers von Hellas trägt ' Kaum haben wir es selbst jetzt zu einer Versammlung bringen können, und selbst jetzt noch nicht so, als ob wir bereits im Klaren wären' Denn man sollte jetzt nicht mehr untersuchen, ob uns Unrecht geschieht, sondern wie wir das Unrecht von uns abwehren; denn die Angreisenden gehen rasch und entschlossen gegen die Unentschlossenen vor und werden sich nicht erst lange besinnen. Wir wissen ja, mit welchen Mitteln und wie die Athener Schritt für Schritt gegen die Andern vorgeben. So lange eure stumpfe Gleichgiltigkeit sie in dem Glauben erhält, daß ihre Handlungen unbemerkt bleiben, sind sie weniger kühn und schnell; sehen sie aber erst, daß ihr sie durchschaut und doch zu ihrem Vorgehen schweiget, so werden sie uns ganz anders zusetzen. Denn von allen Hellenen, ihr Lakedämonier, überlaßt ihr allein euch der Ruhe, gleich als ob ihr durch Unentschlossenheit den Feind abwehren könntet, anstatt durch Kraftanstrengung, und ihr allein denkt die Macht des Feindes nicht in ihrem Beginnen zu unterdrücken, sondern wenn sie ihre Kräfte bereits verdoppelt hat'Man rühmt zwar 115) Seit der Vertreibung der Tyrannen, welche im eigenen Interesse der Spartaner lag (vgl. Anm. 52, S. ?7), nannten sie sich die Befreier von Hellas. 116) Indem wir auch jetzt noch nicht alt ausgemacht annehmen, daß uns Unrecht gethan worden (Schol. bei Kr.). 117)Die einfachste politische Regel, die aber immer von denen übersehen wird, welche Machtverhältnisse mit persönlichen Beziehungen verwechseln, die Geschicke ganzer Nationen von den Regungen ihres (sehr unausgebildetem persönlichen Gewissens abhängig machen, oder an abgestorbenen Principien festhalten, die einst zu ganz andern Machtverhäirnissen paßten, — während sie Nichts anders zu thun hätten, als das Zünglein an der Wage des (wirklichen) politischen Gleichgewichts zu beobachten und dasselbe zum Barometer für ihre Handlungen zu machen, in allem Uebrigen aber den Geist frei walten lassen, der die Nationen auf den Bahnen deS Fortschritts weiter führt. Die zahlreichen kleinen hellenischen Staaten waren schon durch den Instinkt der Selbsterhalning darauf hingewiesen, die gegenseitigen Machtverhältnisse genau zu beobachten. Sie thaten dies aber auch mit Bewußtsein, denn bei ihnen war jeder Denkende ein Politiker, und sie kannten hier kein anderes Gesetz, als daß jeder Staat wie jeder Einzelne seine Unabhängigkeit vertheidigen muß und daß man jedes mit Aussicht auf Erfolg höchstens noch gegen Gleichstarke kann. Wrund, anschauung ist dabei der Soethe'sche Spruch: daß ihr verläßlich seiet, aber hierin bleibt euer Thun hinter dem Rufe zurück; denn wir wissen ja noch selbst, daß der Meder sAerxes^, der doch von den Gränzen der Erde herkam, damals viel früher gegen den Peloponnes im Anmarsch ershcien, als ihr nnterdeß Zeit gefunden hattet, euch gegen ihn geziemend in Bereitschaft zu sehen; und grade so sorglos seid ihr auch jetzt den Athenern gegenüber, die nicht fern wohnen wie jene, sondern ganz in der Nähe, und anstatt sie anzugreifen, wollt ihr sie lieber herankommen lassen und euch nur abwehrend verhalten. Einem viel mächtigeren Feind gegenüber wollt ihr eure Sache der Gunst des Glücks anheimstellen, obfchon ihr wohl wisset, daß, gleichwie der mächtige Barbar selbst meist nur durch seine eigenen Fehler zu Schaden kam, so auch wir über die Athener fast immer mehr durch ihre eigenen Versehen Vortheile gewinnen konnten, als durch Hilfe, die von euch kam. Fürwahr, das Vertrauen auf euch hat schon Manchen zu Grunde gerichtet, der sich eben deshalb nicht selbst gehörig vorsah, weil er sich auf euch verließ. Und glaube Keiner von euch, daß wir dies mehr aus Feindseligkeit gegen Euch sagen, als aus gegründeter Ursache zur Beschwerde; denn gegen befreundete Männer, wenn etwas versehen worden ist, findet Beschwerde Statt, Anklage nur gegen Feinde und Unterdrücker.