Da aber nun Potidäa belagert wurde, so hatten sie nicht Ruhe und Rast, weil von ihren Leuten dort lagen und sie auch den Verlust des Platzes befürchteten. Deßhalb beriefen sie sogleich die Bundesgenossen nach Lakedämon und verklagten dort die Athener mit großem Geschrei, daß sie die Verträge gebrochen hätten und gegen den Peloponnes Ungerechtigkeit verübten. Auch die Aegineten halfen den Krieg eifrigst betreiben, zwar nicht in offener Gesandtschaft, 108) Zu dem Zerwürfnisse wegen Kerkyra'S (Kr.); vgl. Kap. 56 am Anfang. 109) Aegina ist eine kleine Insel von ungefähr Pf, Meilen Umfang und unfruchtbarem Boden. Die Einwohner, dorischer Abkunft. legten sich deßhalb auf Seeraub und später auf Handel, den sie sehr lebhaft betrieben. Auch sandten sie Kolonien ans. so Kydone auf Kreta, AeginetiS in Paphlagonien, eine in Umbrien. Die Insel zählte gegen 5000 Bürger, viele Fremde und fast eine halbe Million Sklaven. Vor den Perserkriegen war ihre Flotte der Athenischen überlegen, und auch noch bei Salamis zeichnete sie sich vorzüglich aus. Später aber, als Athen ausschließlich zur Seemacht geworden war, ließ seine Eifersucht die Unabhängigkeit Aegina's nicht mehr zu, und «57 v. Chr. unterwarf es die Insel. Die Verfassung war früher eine aristokratische gewesen. sondern aus Furcht vor den Athenern heimlich, indem sie klagten, daß man sie den Verträgen zuwider sich nicht ihrer eigenen Gesetze bedienen lasse. Die Lakedämonier nun beriefen auch die übrigen Bundesgenossen und wer sonst von den Athenern Unrecht zu leiden glaubte, und nachdem sie ihre gewöhnliche Volksversammlung I veranstaltet hatten, hießen sie jene reden. Da traten außer den Andern, welche der Reihe nach ihre Beschwerden erhoben, auch die Megarer 110) Beide Versammlungen — diese und die später nach Sparta berufene — müssen ln unmittelbarer Aufeinanderfolge gleich nach der Schlacht bei Potidäa Ot. 87, I (43l v. Chr.) zu Anfang des November stattgefunden haben, vgl. I, 87, t!S, !2S. lllllrich, Beitr. zur Erkärl. d. Thuk. S. 46, ez bei Kr., Krüger, histor. philol. Sind. I, S. 2lS.) — Versammlungen der pelo« ponnesischen Verbündeten wurden entweder durch den Vorort Sparta berufen, oder fanden, wie hier, auf Antrag der Verbündeten Statt, und zwar gewöhnlich zu Sparta, ausnahmsweise auch anderswo MI, 8 zu Olympici. Jeder Staat schickte Sendbote». Alle hatten gleiches Stimmrccht (I, I2S. litt. V, 30), der Beschluß der Mehrheit war bindend für die Andern, nur nicht für Sparta selbst, was aus den oben erzählten Verhandlungen hcrvorgchr, ebenso, wie weder Oestreich noch Preußen sich in einigermaßen wichtigen Dingen durch die Abstimmung des deutschen Bundes würden majorisiren lassen. Sparta konnte aber einem Staate, der sich von einem gemeinschaftlich beschlossenes Kriege ausschloß, eine Geldbuße auserlegen. Für gemeinschaftlich galt der Beschluß nur, wenn Sparta beistimmte. Rechtsgleichheit Verbündeter bei ungleichen Machtverhältnissen kann wohl auf dem Papier stehen, ist aber in der That ein Unding. Gegenstände der Verhandlungen waren: Krieg, Frieden. Verträge. Die Contingente der einzelnen Staaten waren vertragsmäßig festgesetzt, und Sparta bestimmte, ob das Ganze oder nur ein Theil zu stellen sei. Ebenso die Geldbeiträge. Vgl. Schvmann, G. A. II, S. S» ff. 111) Megara gehörte in der ältesten Zeit zu Attika, mußte aber, seiner Lage auf dem JsthmoS wegen, der Zankapfel zwischen dem Peloponnes und Attika werden. Nach dem Einfall der Oorier kam es an den Peloponnes und zwar an Korinth, von wo auS eS wie eine Kolonie behandelt wurde, wie eS sich denn auch an Korinthischen Kolonien, z. B. SyrakuS auf Sicilien, be, theiligte. Später riß es sich im offenen Kampfe von Korinth loS und trat alS selbständiges Glied in die Reihe der Dorischen Staaten. Nun sandte es selbst Kolonien auS, nach Osten AstakoS in BIthynien, Chalkedvn am BosporoS, Mesembria, Selymbria und besonders Byzanz; nach Sicilien TrogiloS, Tha« psoS und Hybla oder Megara. Unter Spärca'S Hegemonie trat es dem Peloponncsischen Bunde bei, blieb aber doch merkantilisch von Athen abhängig, weßhalb dieses eS immer wieder an sich ziehen konnte, was ihm hinwiederum Thukydidet. l. 5 auf und brachten neben vielen andern Klagepunkten vorzüglich den vor, daß sie gegen die Verträge von den Häscn auf athenischem Gebiet und von dem attischen Markte ausgeschlossen seien Zuletzt traten die Korinther aus, und nachdem sie die Andern erst die Lakedämonier hatten aufreizen lassen, machten sie mit folgender Rede den Schluß: