<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xmlns:py="http://codespeak.net/lxml/objectify/pytype" py:pytype="TREE"><text><body><div type="translation" xml:lang="deu" n="urn:cts:greekLit:tlg0003.tlg001.1st1K-ger2"><div type="textpart" subtype="book" xml:base="urn:cts:greekLit:tlg0003.tlg001.1st1K-ger2" n="1"><div type="textpart" subtype="chapter" xml:base="urn:cts:greekLit:tlg0003.tlg001.1st1K-ger2:1" n="113"><p>Nach Verlauf einiger Zeit, da Bootische Flüchtlinge <note type="margin"> 446 <lb/> v. <lb/> Chr. </note> <lb/> Orchomenos und Chärouea nebst einigen andern Orten Bvotiens de­ <note type="footnote"> in von absichtlichen Täuschungen die Rede sein kann, so trifft dies jedenfalls <lb/> nur die sd. h. einzelnej Mittelspersonen nnd Priester, die aber auch dafür <lb/> anderseits ld. h. in andern Personlihckeiteiij durch die große Weisheit <lb/> entschädigten, mit welcher sie wenigstens in Griechenlands klassischer Zeit die <lb/> Autorität ihreS Gottes zn staatsklnger und konsecinenter Leitung der öffentlichen <lb/> und gotteSdienstlichen Angelegenheiten deS ganzen Volkes benutzten. — <lb/> Namentlich gilt dies von dem pythischen Orakel zu Delphi." — Ganz anders <lb/> Wachsniuthi '„Den hellenischen Völkern erschien die Gemeinschastlichkeir des Orakels <lb/> durchaus nicht'alv etwas, daS auf Eintracht zurückwirken müsse: in ihren <lb/> Anfragen drückt sich selten Anderes, als Egoismus aus; eS war, wie wenn von <lb/> einem Gemeindeacker Freund und Feind zusammen Frucht holen lind dabei <lb/> streben, einander möglichst zu übervvrtheilen. Die Aussprüche des Orakels <lb/> waren durch Unklarheit deS Ausdrucks und verlängliche Geschrobenheit <lb/> ebensowohl geeignet, allerlei unredliches Dichten nnd Trachten entweder in dem Sinne <lb/> des Fragenden zu nähren, oder bei der Ausführung zn rechtfertigen, also <lb/> untauglich, sichere Leitung deS Handelns für Einzelne und für Staaten zn sein. <lb/> Noch weniger aber konnte "und wollte das Orakel einen zusammenhängenden <lb/> Einfluß auf die Angelegenheiten der hellenischen Staaten für sich lind unter <lb/> einander üben. Dem Orakel zu Olympia gereicht es zum Lobe, daß eS über <lb/> Kriege der Hellenen mir Hellenen keinen Spruch that; das delphische Orakel <lb/> dagegen bewies nicht mir immerfert dazu sich willfährig, sonder» zugleich durch <lb/> die trügerische Hülle zweideutiger Worte, daß eS nur auf seinen Vortheil be&gt; <lb/> dacht sei, auf seine Sicherstellung bei jeglichem Erfolg: oder eS verrieth sichtbar <lb/> ^ einseitige Gunst, und — schmählich genug: diese konnte auch durch Gold <lb/> gewonnen werden". </note> <note type="footnote"> Die Wahrheit liegt in der Mitte. Gewiß aber ist eS, daß das delphische <lb/> Orakel des dorischen Apollo der dorischen Partei zugeneigt und mit ihr enger <lb/> verbündet war, vor Allen mit Sparta selbst, was im peloponnesischen Krieg <lb/> ost genug zn Tage tritt, so daß die Athener immerhin ein wachsames Auge <lb/> aus das Gebahren der delphischen Borstcherschaft haben mußten, zumal diese <lb/> eine hierarchische Aristokratie oder eine Oligarchie von Priestergeschlechtern bil. <lb/> dete, während die minderberechtigte Bürgerschaft, als demokratisch gesinnt, den <lb/> Athenern zuneigte. — Das Heiligthum lag auf dem Gebiet von Krisa, und <lb/> die Krisäer suchten eine Autorität über dasselbe auszuüben, was zu Beschwerden <lb/> und schließlich zum sogenannten heiligen Kriege führte, der mit der Zerstörung <lb/> Krisa'S endigre und das Gebiet der Stadt dem Heiligthum einverleibte. Nun <lb/> wollte sich die delphische Aristokratie aber auch von allem Verbante mit den <lb/> übrigen, demokratisch gesinnten Phokiern losmachen; und als diese sich eben« <lb/> deßhalb der Stadt ind des Tempels bemächtigte», kamen die Spartaner zn <lb/> Hilfe nnd vertrieben die Phokier wieder. Nun verschafften zwar die Athener <lb/> den Phokiern wieder auf eine Zeitlang die Obmacht, aber Delphi machte sich </note> <lb/> <pb n="106"/> setzt hielten, unternahmen die Athener mit tausend eigenen <lb/> Schwerbewaffneten und verhältnißmäßigem Zuzug der Bundesgenossen und <lb/> angeführt von TolmideS, des TolmäoS Sohn, einen Feldzug gegen <lb/> diese vom Feinde besetzten Orte. Chäroneia eroberten sie und legten <lb/> eine Besahung hinein. Da sie aber wieder abzogen, wurden sie auf <lb/> dem Marsche bei Koroneia'6') von den böotifchen Flüchtlingen <lb/> auS Orchomenos überfallen, denen sich auch ^Opuntifche^ Lokrer und <lb/> Verbannte aus Euböa, und wer sonst ihnen gleichgesinnt war, <lb/> angeschlossen hatten, und es siegten diese in der Schlacht und tödteten <lb/> einen Theil der Athener, die andern nahmen sie gefangen. Nun ließen <lb/> sich die Athener zu einem Vertrage herbei und räumten ganz Böotien <lb/> unter der Bedingung, daß sie ihre Leute frei bekamen. Darauf <lb/> kehrten dte Böotischen Verbannten in die Heimath zurück, und sie, wie <lb/> alle Andern, wurden wieder unabhängig.</p></div></div></div></body></text></TEI>